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Äußerungen : die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der europäischen Ethnologie ; Beiträge der Dgv-Hochschultagung "Äußerungen. Die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der Europäischen Ethnologie" vom 28. bis 30. September 2012 am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck
Entstehung
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Sabine Kienitz, Landauer Pflaster- Geschichte( n)

den müssen. Bei meinem ersten Besuch im Bauamt jedenfalls wurdemir auf meine knappe Erklärung, dass ich mich für das Landauer Pflas-ter interessiere, kommentarlos die Tür zum Zimmer des zuständigen,aber im Urlaub befindlichen Mitarbeiters geöffnet: Das Zimmer warvoll gestellt mit Exemplaren all jener Pflastersteine, die gerade aktu-ell in Landau verbaut wurden und von denen jede Steinvariante wie-derum eigene Akzeptanzprobleme und Wahrnehmungsgeschichtenrepräsentierte, die von den AkteurInnen erzählt und kommentiert,die gehört und gesammelt werden müssen. Die Vielzahl dieser Pflas-tergeschichten ist aber allemal spannend, und manches hat sich durchInternet- Recherche auch schon ansatzweise bestätigt. So sollen dieals>> Rotterdamer Pflaster« deklarierten Steine den Erzählungen zu-folge eigentlich ursprünglich aus der DDR stammen, wo im Zuge derModernisierung und Asphaltierung nach 1989 ganze Dorfstraßen ab-getragen und die Steine als» historisches Baumaterial<< in den pflaster-verliebten Westen verkauft worden seien. Im konkreten Landauer Fallsoll es sich sogar- so die bisher nicht belegte Geschichteum dieSteine einer ehemaligen militärischen Panzerstraße handeln, die aufUmwegen erst nach Rotterdam und dann auf dem Wasserweg überden Rhein nach Speyer und von hier aus per Lkw nach Landau ge-bracht worden seien. Über die Pflastergeschichten wird so auch eineOst- West- Geschichte der Nach- Wendezeit erzählt, sie entwickelt sichzu einer potentiellen Betrugsgeschichte und Räuberpistole, in derenRahmen allerhand Verschwörungstheorien zutage treten, und zugleichwird hier die zivile Umnutzung eines ehemals militärischen Objektsselbst wiederum zum Auslöser eines handfesten Konflikts.

Der Konflikt erweist sich damit auch für einen ethnografischenZugang als produktiv, denn das Stichwort» Rotterdamer Pflaster<<, sodie Erkenntnis, führte auch noch bei Begegnungen im Jahr 2012 inder Stadt Landau quasi in Sekundenschnelle zu heftigen Reaktionenund brachte z.B. mir bisher völlig unbekannte Menschen dazu, sichsofort und ungefragt in privat geführte Gespräche einzumischen, umvon ihren persönlichen Erfahrungen und ihrem Zorn wie auch vonGeschichten zu berichten, die ihnen von Dritten zugetragen wordenwaren. Dabei wurde ich nicht als mögliche Bewohnerin der Stadt iden-tifiziert, sondern als auswärtige Journalistin, deren Recherchen zumPflaster man unterstützen wollte. Bis heute bewegt der ungeliebteBodenbelag die Gemüter in der Stadt, und allein die Erwähnung desRotterdamer Materials ruft ein unerwartetes Spektrum an Emotionen

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