Europäische Ethnologie alsOberflächenwissenschaft-
zur Einführung
in provozierender Absicht
Timo Heimerdinger
Die Rolle als Gast- und Herausgeber gibt mir die Möglichkeit, miteiner Anekdote zur Genese des Tagungstitels zu beginnen. Dies wärevollkommen überflüssig und manieriert denn fast jede Tagungsor-ganisation produziert im Vorfeld anekdotenfähiges Material- wenndiese Anekdote nicht unmittelbar und mitten in die Tagungsthematikführen würde:
Diese Tagung sollte nämlich ursprünglich etwas anders heißen.Unser erster Vorschlag lautete:» Äußerungen. Europäische Ethnolo-gie als Oberflächenwissenschaft«<. Doch dieser Titel löste Befremdenaus. Denn nach der Übermittlung unseres Vorschlags an Vorstandund Hauptausschuss der dgy wurden wir prompt ein klein wenig zu-rückgepfiffen. Keineswegs harsch oder unfreundlich, ganz im Gegen-teil, von Reinhard Johler( dem damaligen 1. Vorsitzenden) durchausösterreichisch konziliant und behutsam, aber doch immerhin. In Joh-lers offizieller Rückmeldung war davon die Rede, dass der Vorschlagberaten und für gut befunden wurde, es habe allerdings auch leichtesUnbehagen wegen des Begriffs der> Oberflächenwissenschaft< gegebensamt dem Hinweis, dass man den Ball so der Kritik doch ein wenigauflege. Daran schloss sich die Bitte an, obwohl man durchaus sehe,dass dies ja auch die Pointe sei, im Titel etwas umzuformulieren.'Gut, wir haben( zugegebenermaßen unter Murren) im Titel leicht
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So Reinhard Johler sinngemäß in einer E- Mail am 1.3.2011.