148 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2
zu hinterfragen. Die Kuh kann auch als Dekorationselement in einemeinheimischen und tendenziell wohl eher wohlhabenden Haushalt ge-dient haben, zum Beispiel als Zierde des Esszimmerbuffets oder alsSchmuck von Festtagstafeln. Dafür spricht das Chrutmuster, das vorallem in der Gebrauchskeramik und seltener in der Souvenirmajolikaeingesetzt wurde. Die Objektoberfläche lässt keine klare Zuordnungzu; sie wirkt als kulturelle Schnittstelle weder eindeutig noch aus-schließlich, wie dies die Edelweißornamentik tut.
Doch unabhängig davon, ob die Kuh tatsächlich als Reiseandenkenproduziert und verwendet wurde, steht sie stellvertretend für eine ab1880 äußerst erfolgreiche Produktkategorie, die Souvenirkeramik. Sietritt in vielfältigen Formen auf und gilt rasch als typisch schweizerisch,gerät aber ebenso rasch ins Schussfeld der( einheimischen) Kritik. Edu-ard Hoffmann- Krayer etwa bezeichnet die für den Fremdenverkehrhergestellte Töpferware als» das Abscheulichste in Form, Farbe undDekor<< und bedauert ihre Beliebtheit, erkennt aber den Markt für sol-che>> Entsetzlichkeiten« durchaus an, wenn auch mit ironischem Un-terton:» Der Fremde nimmt von seiner Schweizerreise gern ein kleinesAndenken mit, das nicht viel kosten darf, und was ist dazu besser ge-eignet als ein solches originelles Geschirrchen.<< 23
Die Klassische
Die Kuh aus Tannenholz( Abb. 3) wird seit den 1920er Jahren vonder Interlakner Firma Albert Schild AG hergestellt und vertrieben, so-wohl als Fleck wie auch als Braunvieh.24 Sie misst ca. 9,5 cm in derLänge auf 6 cm in der Höhe und knapp 3 cm in der Breite, ist alsoein wenig kleiner als die Majolika- Kuh. Der aktuelle Verkaufspreis imeinschlägigen Souvenirhandel beträgt CHF 14.-.
Der Gesichtsausdruck der Kuh wirkt freundlich, wenn auch et-was dümmlich. Die schwarz markierten Oberlider geben ihr einenliebenswürdigen Ausdruck. Sie steht, strahlt Ruhe und Standhaftig-keit aus. Das Oberflächenornament entspricht im Falle der Freiburger
23 Eduard Hoffmann- Krayer: Heimberger Keramik. In: Schweizerisches Archiv fürVolkskunde 18, 1914, S. 94-100, hier S. 100.www.swisssouvenir.ch( Zugriff: 9.3.2013)
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