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Äußerungen : die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der europäischen Ethnologie ; Beiträge der Dgv-Hochschultagung "Äußerungen. Die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der Europäischen Ethnologie" vom 28. bis 30. September 2012 am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck
Entstehung
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10 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2

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ganze

wahrnehmbare kulturelle Oberfläche also, eben gerade nicht isoliertund abgekoppelt für sich stehen, sondern dass sie als Zeichen auch füranderes stehen, es mithin enge Zusammenhänge und Bezüge zwischender Oberfläche und dem Inneren gibt- so komplex und widersprüch-lich diese Zusammenhänge auch sein mögen. Oberflächenphänomenegelten uns tatsächlich als deutungsbedürftige und deutungswürdigeÄußerungensonst würde daskulturwissenschaftlich- inter-pretatorische Schaffen keinen Sinn ergeben. Der Beispiele sind hierfürLegion: Utz Jeggle etwa hat sich bei seiner Beschäftigung mit der Rolledes Unbewussten in der Kultur immer wieder bemüht,» die Logik deräußeren Welt mit der Regelhaftigkeit der inneren Welt in Bezug zusetzen<< ¹³ natürlich unter der Annahme, dass dies bei allen Schwie-rigkeiten und Fallen doch prinzipiell möglich und ein aussichtsreichesUnterfangen sei. Das ganze Bourdieu'sche Habituskonzept ist in seinerkulturwissenschaftlichen Anwendung gerade deshalb so beliebt gewor-den, weil es genau diese Kongruenzvorstellung zwischen Sichtbaremund Sozialstruktur, gewissermaßen unter der Oberfläche Befindlichemimpliziert: Der Habitus als Ensemble an Kulturphänomenen indiziert,repräsentiert( und reproduziert!) einen soziokulturellen Ort, ist damitalso als Äußerung für Anderes lesbar- und damit eng an dieses Anderegekoppelt. Die Oberfläche und der ganze Rest sind eben nicht vonei-nander unabhängig zu denken, vielleicht sogar kategorial gar nicht von-einander zu unterscheiden. Kultur ist hier nicht> nur Hülle oder> nur<Fassade, sondern ganz frei von allen abwertenden, die Oberflächeder sichtbare und Bedeutung tragende

diskreditierenden Zusätzen

Ausdruck einer komplexen erforschbaren Wirklichkeit.

Das immer wieder hergenommene Bild Sigfried Giedions von derSonne, die sich im Kaffeelöffel spiegele, meint ja genau dieses: denVerweis vom Kleinen aufs Große, vom scheinbar Marginalen aufs We-sentliche, aber auch vom Äußerlichen aufs Eigentliche.

13 Utz Jeggle: Inseln hinter dem Winde. Studien zum» Unbewussten«< in der volks-kundlichen Kulturwissenschaft. In: Kaspar Maase, Bernd Jürgen Warneken( Hg.): Unterwelten der Kultur. Themen und Theorien der volkskundlichen Kul-turwissenschaft. Wien, Köln, Weimar 2003, S. 25-44, hier S. 38.

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Zur Zurückweisung der Innen- Außen- Differenz und dem kulturtheoretischen>> sozialen Regelholismus«< bei Bourdieu vgl. Andreas Reckwitz: Kulturtheorie,Systemtheorie und das sozialtheoretische Muster der Innen- Außen- Differenz.In: Zeitschrift für Soziologie 26, 1997, H. 5, S. 317-336, hier S. 318.