, Agriturismo' in der Toskana
Kulturelles Erbe als touristisch vermarktbare Ressource undidealisierendes, Gegenwelt'- Angebot
Daniella Seidl
„ Der Agrotourismus in Italien. Eine Ressource für die Zukunft. In Italien kann der Landtou-rismus auf einen wirklich außergewöhnlichen Landschafts- und Kunstschatz rechnen, um sichals bedeutende Wirtschaftstätigkeit zu behaupten" ¹, so wirbt der Verband der ‚ Agriturismo'-Betriebe in seinem offiziellen deutschsprachigen Führer.
Am Beispiel des, Agrotourismus' in der Toskana möchte ich in meinem Beitrag die touristi-schen Verwertungs- und Umnutzungsprozesse kulturellen Erbes betrachten., Agriturismo'- Fe-rien bieten städtischen internationalen Urlaubern auf agrarischen Betrieben die Möglichkeit,in individuellem Rahmen am kulturellen Erbe der Region zu partizipieren. Die historischeBausubstanz und die landwirtschaftlichen Traditionen des Wein- und Olivenanbaus werdenhierbei als kulturell aufgeladene Elemente für ein touristisches Angebot gestaltet, in dem dieVorstellungen von, Authentizität und rückwärtsgewandten ruralen Idyllen materialisiert undkonsumierbar gemacht werden.
Der Begriff, Agriturismo', oder auch, Agrotourismus' in seiner deutschen Übersetzung, ent-stand in Italien mit der Gründung der, Associazione Agrituristica' der, Agriturist' durch dielandwirtschaftliche Vereinigung, Confagricoltura', im Jahr 1965 und formierte sich in breiteremAusmaß in den 1980er und vor allem 1990er Jahren als staatliches und durch EU Gelder sub-ventioniertes Programm.² Dessen Maßnahmen setzten sich zum Ziel, der Landflucht entgegenzu wirken und über eine weitere Einnahmequelle im Tourismusbereich die Existenzgrundlageder Landwirte zu sichern und so ihren Verbleib in den ländlichen Gebieten zu gewährleisten.Die Abwanderungsbewegung in Italien war Folge der Anfang der 1960er Jahren erfolgten Auf-hebung der, Mezzadria', des hier vorherrschenden Systems der Halbpacht. Diese Agrarreformerfüllte zwar die seit dem 19. Jahrhundert betriebene Forderung der Pächter nach vollständi-gem Eigentum, doch meist reichten deren Einnahmen nicht aus, das bisher gepachtete Landzu erwerben. Auch das zeitgleich einsetzende italienische Wirtschaftswunder verminderte dieNachfrage nach landwirtschaftlichen Arbeitskräften und erhöhte das Arbeitsangebot im städ-tischen Industrie- und Dienstleistungssektor. In der Toskana verließen in den 1970er Jahren90% der, Mezzardi' ihre Höfe, rund 100.000 landwirtschaftliche Anwesen verwaisten.³
Grundlage für den Ausbau des Agriturismo'- Konzeptes bildete ein Gesetz von 1985, dasdie einzelnen Regionen ermächtigte, ihrer spezifischen Situation angepasste Bestimmungenzu erlassen und somit mittels Subventionen oder Darlehen die Landwirte zu unterstützen. 4
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Touring Club Italiano( Hg.): Italien. Ferien auf dem Lande. Milano 2003, 6.
http://www.agriturist.it/agriturist.php?ld Categoria= 4& ldSottomenu= 56& ld Sotto Sotto Menu= 344
( Zugriff: 10.12.2007).
3 Dörrenhaus, Fritz: Villa und Villegiatura in der Toskana. Eine italienische Institution und ihregesellschaftsgeographischen Folgen. Wiesbaden 1979, 54-63.
4
http://www.italtrade.com/countries/europe/germany/neues2.htm#2( Zugriff: 10.12.2007).
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