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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
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Die Frage des Wertes deskulturellen Erbes und dieEuropäische Ethnologie

Am Beispiel der Slowakei

Dušan Ratica

Das gesellschaftliche Bewusstsein historischer und rezenter Werte gehört zu den relativen undgleichzeitig dynamisch veränderlichen sozialen Phänomenen, die bedingt sind durch die Ent-wicklung von institutionalisierten und nichtinstitutionalisierten Meinungsquellen, wie es aufder einen Seite religiöse, ideologische, wissenschaftliche und gedankliche Systeme, unterstütztdurch staatliche Komponenten und nichtstaatliche Institutionen, und auf der anderen Seiteöffentliche Meinung, Modetrends, Wirkung der Medien, Privatsphäre u. a. sind. Eines derspezifischen Gebiete, in dem es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine allmählicheEingliederung in die institutionalisierten universellen Werten gekommen ist, ist das Gebietder materiellen und immateriellen kulturellen Phänomene, die als Erbe vorangegangenerGenerationen verstanden werden, das einen sensiblen Umgang und das Bemühen um seineständige Erhaltung verdient. Eine wichtige Rolle bei der Etablierung der genannten Ausgangs-punkte hat die UNESCO gespielt, die mit der Annahme des Übereinkommens zum Schutzdes Kultur- und Naturerbes der Welt im Jahr 1972 und weiterer ergänzender Dokumente dieGebiete der universellen Werte der Kultur klar definiert und ihre Mitgliedstaaten zur Ent-wicklung von Strategien für ihre Erhaltung verpflichtet hat¹.

Aber ungeachtet der heutigen internationalen Konjunktur von Aktivitäten, die subsummier-bar sind unter dem Begriff Schutz des Weltkulturerbes, gehörte und gehört die europäischeEthnologie prinzipiell zu jenen Wissenszweigen, deren Tätigkeit direkt mit der Transmissionvon Informationen über historische Formen der Alltagskultur in die rezente Wissensbasis zu-sammenhängt. Als eine konkrete Wissensdisziplin in einer konkreten historischen Zeit standauch die europäische Ethnologie nicht außerhalb des Einflusses der makrosozialen Umständeihrer Zeit: die Quellen ihrer wissenschaftlichen Orientierung sind also sowohl in der Konti-nuität und Entwicklung ihrer internen methodologischen und methodischen Seite als auchin externen den gesellschaftlichen Bedingungen zu beobachten. Etwa im Zeitraum vom Be-ginn der 50er bis zum Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, als man diese Disziplin( inAbhängigkeit von der spezifischen Entwicklung in den jeweiligen Ländern) häufig noch mitder ursprünglichen Bezeichnung Volkskunde oder Ethnographie versah, entwickelt sichdas Bewusstsein des Wertes der untersuchten Phänomene der traditionellen Kultur bei ihrenProtagonisten auch aus der Konfrontation der Disziplin mit den intensiven sozialen Verände-

1 CONVENTION CONCERNING THE PROTECTION OF THE WORLD CULTURAL AND NATURAL HERITAGE.Adopted by the General Conference at its seventeenth session, Paris, 16. november 1972. Text zugänglichunter http://www.unesco.org/culture/ich/index.php?pg=00006,( Zugriff: 29.9.2007).

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