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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
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,, Die Zukunft der Herkunft"? ¹

Schweizer Volksmusiker und Kulturschaffende im Konfliktzwischen Bewahrung und Erneuerung des immateriellenKulturerbes

Karoline Oehme

Der Begriff des Erbes" erfährt in den letzten Jahren in verschiedensten Zusammenhängenerhebliche Beachtung. Ob nun in Forschung, Kulturpolitik, Medien, in einer breiten Öffent-lichkeit oder im Tourismus, ob auf internationaler, nationaler oder regionaler Ebene²: Überallfällt ein reflexiver Umgang mit Traditionen³ auf, der heute vor allem regionale und alltags-kulturelle Phänomene fokussiert. Viele Gründe für die Beschäftigung mit dem kulturellenErbe bzw. für die Stilisierung von Traditionen als kulturelles Erbe wurden seither formuliert.Darunter sind diverse kompensationstheoretische Überlegungen, wonach gesellschaftlicheund soziale Defizite durch die Beschäftigung mit den eigenen oder fremden Wurzeln aus-zugleichen seien: quasi die Beschäftigung mit dem Kulturerbe als Reaktion auf die Globa-lisierung und ihre Homogenisierungsstrategien( zugespitzt in der These von der McDonal-disierung der Kultur³), die das schlechte Gewissen der Globalisierer" aktiviere. Die einengeben des Weiteren als Grund das Leben in Parallel- oder Diasporakulturen beispielsweisevon Migranten an. Andere benennen die Enträumlichung, mit Herrmann Bausinger gesagt:die ,, Auflösung der Horizonte", als Ursache. Wieder andere sehen in dem enormen Übermaßan gesammelter und archivierter Kultur einen Auslöser für die Auseinandersetzung mit demkulturellen Erbe und debattieren über Kanonisierungen. Martin Scharfe hat mit seiner Thesevon der, A- synchronisiertheit des Menschen mit seinen Produkten" eine weitere Erklärungvorgelegt, die an Ernst Blochs Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" 10 erinnert.

1 Sigfried Schibli: Die Zukunft der Herkunft. Die Schweizer Kulturpolitik hat ein neues Debattenthema:Brauchen wir eine nationale Förderung der Volksmusik? In: Basler Zeitung vom 3. Mai 2006.

2

Ingo Schneider: Wiederkehr der Traditionen? Zu einigen Aspekten der gegenwärtigen Konjunktur deskulturellen Erbes. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Bd. LIX/ 108, 2005, 1-20, hier: 20.

3

Ebd., 1-20.

4

5

Theodor W. Adorno: Philosophie der neuen Musik. Frankfurt a. M. 1958, 13: ,, Sobald jedoch einmal dieindustrielle Verwaltung aller Kulturgüter als Totalität sich etabliert hat, gewinnt sie Macht auch über dasästhetisch nicht Konformierende."

George Ritzer: The McDonaldization of Society: An Investigation into the Changing Character ofContemporary Social Life. Thousand Oaks 1993.

6

Schneider 2005 A( wie Anm. 2), 11.

7

8

Herrmann Bausinger: Volkskultur in der technischen Welt. Stuttgart 1962.

Ingo Schneider: Zur Semantik des kulturellen Erbes. Mehr Fragen als Antworten. In: bricolage. InnsbruckerZeitschrift für Europäische Ethnologie, 3, 2005, 37-51, hier: 46.

9

Martin Scharfe, zitiert nach Schneider 2005 B( wie Anm.8), 49.

10

Ernst Bloch: Erbschaft dieser Zeit. Frankfurt a. M. 1985.

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