Österreichische BioPioniere
und ihr Erbe
Aurelia Jurtschitsch
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Die Basis für diesen Beitrag bilden narrative Interviews mit 40 BioPionieren in Öster-reich über deren Umstellungsgründe und Erfahrungen als Biobauern in der ersten Zeit, die2007-2008 im Auftrag von BioAustria durchgeführt wurden. Neben Bäuerinnen und Bauernsind auch Personen dabei, die als Mitarbeiter in der Landwirtschaftskammer oder im Lehrbe-trieb dem Biologischen Landbau zum Durchbruch verholfen haben.
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Vorbemerkung zum Erben
Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." 1Was Goethe hier Faust in den Mund legt- verzeihen wir es dem Geheimrat, dass er nichtauch von den Müttern gesprochen hat- enthält einen mir wesentlich erscheinenden Aspektbeim Erben: Das Erwerben. Faust blickt angeregt und resigniert zugleich auf sämtliche na-turwissenschaftliche Messgeräte seiner Zeit- ein stummes Erbe seines Vaters- kann sie nichtbedienen, will aber mit ihnen das Wesen der Materie und der Natur begreifen können.
Das Erwerben setzt also die Fähigkeit zur Aneignung eines Erbes voraus und führt zu einemanderen Spruch, wo noch der Wille zur Aneignung dazukommt:
„ Prüfet alles, und behaltet das Gute".( NT, 1 Tess. 5,3)
Im Kontext von kulturellem Erbe kann es sich sowohl um immaterielles als auch um materi-elles Erbe handeln. Biolandwirtschaft ist ein ideelles Gut, eine Theorie oder Methode, somitimmateriell, solange sie nicht praktisch umgesetzt wird. Dann allerdings wird durch sie imbesten Fall eine spezifische Art von fruchtbarem Ackerboden als materielles Gut hervorge-bracht. Im Fall der BioPioniere ist davon auszugehen, dass sie in einem eng verflochtenen( dörflichen, politischen bzw. wissenschaftlichen) Umfeld eingebettet sind, in dem weitgehendTraditionen die kulturelle, soziale und berufliche Alltagswelt bestimmen. Welche Triebfedernlassen es dem einzelnen als sinnvoll, ja unausweichlich erscheinen, aus der jeweils gängigenBerufspraxis der Gemeinschaft auszuscheren und einen anderen Weg zu gehen, mit der Tra-dition zu brechen und Neuerungen einzuführen- ein Erbe aufzugeben. Welche persönlicheDispositon ist etwa dafür maßgebliche Voraussetzung?
Vorbemerkung zur biologischen LandwirtschaftDie naturwissenschaftlichen Erkenntnisse Justus von Liebigs und die Fortschritte in der Tech-nik brachten Mitte des 19. Jahrhunderts einen Entwicklungsschritt in der Landwirtschaft.Anorganische, chemisch- synthetische Düngemittel und Maschinen kamen mehr und mehrzum Einsatz, d.h. diese fortschrittlichen Betriebe kauften vermehrt Dinge von außen zu.
1 Johann Wolfgang v. Goethe, Faust I. Eine Tragödie. Gutenberg- Verlag, Wien. Ohne Jahr.
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