Krakowski Kazimierz 1991-2006
Jüdisch- kulturelles Erbe in Krakau im Kontext vonpostsozialistischer Stadtentwicklung, Heritage- Boom undtouristischer Wertschöpfung
Peter F. N. Hörz
,, During the communist rule Kazimierz was largely a forgotten place on Kraków's map, partlybecause the government did not want to touch the sensitive Jewish question. In the early1990s the suburb slowly made the way onto the pages of tourist publications but its grubbyappearance didn't much help to promote it. Then came Steven Spielberg(...) and everythingchanged overnight[...].[' Schindler's List'] turned the world's attention to Kraków's Jewry asa whole[...]' Schindler's Tourism' now draws in crowds of visitors[...] to the place, whichhardly saw any tourists a decade ago. Isn't it a bitter irony that a couple of hours on screen canmean more than half a millennium of history?"
Nicht umsonst steht am Anfang meines Beitrags ein Zitat aus der Reiseliteratur, geht es dochzum einen um kulturelle Erbgüter im Kontext touristischen Reisens. Zum anderen wird mitdieser Passage aus der englischsprachigen 2002er- Edition des„ Lonely Planet"-Führers fürPolen mit wenigen Worten das Phänomen skizziert, das hier eines näheren Blickes unterzo-gen werden soll. Und mehr noch: Mit diesem Zitat ist zugleich eine kulturwissenschaftlicheProblemstellung angelegt, denn die Beschreibung dessen, was seit 1989 in dem KrakauerStadtteil Kazimierz vorgeht und welche Hintergründe diese Vorgänge bestimmt haben, ist zu-treffend. Und wiewohl der kultur- und medienkritische Impetus unüberhörbar ist, lassen sichaus dem zitierten Abschnitt zugleich die kulturwissenschaftlichen Probleme der„ Medialitätdes Alltags" und der medial konstituierten Moden und Trends formierenden Aufmerksam-keit für die„, Erbgüter" ableiten.
In meinem Beitrag soll die Entwicklung des jüdischen Kazimierz in den letzten eineinhalbDekaden nachgezeichnet und- Bernhard Tschofens Aufforderung zum geschärften Blick aufdie Mikroprozesse des Ineinandergreifens von Materialität und Imagination aufgreifend¹- ge-zeigt werden wie der Prozess der Heritage- Werdung( die Göttinger sagen„ Heritage- ifizierung"
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Für alle Ortsbezeichnungen werden die polnischen Namen verwendet, es sei denn im Zitat und bei imDeutschen sehr verbreiteten Bezeichnungen.
Dydynski, Krzysztof: Lonely Planet. Poland. Hawthorn 2002, S. 200.
So die im Untertitel artikulierte Themenstellung des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde2007.
Tschofen, Bernhard: Antreten, ablehnen, verwalten? Was der Heritage- Boom den Kulturwissenschaftenaufträgt. In: Hemme, Dorothee/ Tauschek, Markus/ Bendix, Regina( Hg.): Prädikat, Heritage". Wertschöpfungenaus kulturellen Ressourcen.( Studien zur Kulturanthropologie/ Europäischen Ethnologie. Bd. 1). Berlin 2007,19-32, hier: 26.
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