Welterbe als Marke
Kulturelles Erbe und die Produktion kultureller Labels amBeispiel der Welterbestätte Regensburger Altstadt mitStadtamhof
Helmut Groschwitz
Am 13. Juli 2006 wurde das Altstadtensemble von Regensburg mit dem jenseits der Donauliegenden Stadtteil Stadtamhof in Vilnius in das UNESCO- Welterbe der Menschheit aufge-nommen.² In der Begründung werden u.a. als Kriterien genannt:
"[...] Regensburg war im Hohen Mittelalter ein politisches Zentrum des Heiligen Rö-mischen Reiches Deutscher Nation und ein blühendes europäisches Handelszentrum.[...]Regensburg ist die am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt in Deutschland[...] undspiegelt wie keine andere Stadt in Mitteleuropa die wirtschaftlichen, politischen und religiö-sen Entwicklungen des hohen Mittelalters wider.[...] Der Regensburger Dom ist das einzi-ge Beispiel französischer Kathedralgotik östlich des Rheins, sein Bestand an mittelalterlicherGlasmalerei ist einzigartig in Deutschland.[...] Als überragende Ingenieursleistung aus dem12. Jahrhundert gilt die Steinerne Brücke über die Donau.[...] Mit dem ImmerwährendenReichstag in Regensburg( 1663-1806) bildete sich ein politisches Instrument[...] heraus,das als einziges neben dem Kaiser selbst das Heilige Römische Reich in seiner Gesamtheitrepräsentierte.[...] Die Schlüsselfunktion, die der Stadt vor allem im 16. Jahrhundert für dasVordringen des Protestantismus in den Südosten Europas zukam, wird an zwei Sakralbautenanschaulich[...]."
Das nunmehr geschützte Ensemble umfasst 984 Einzeldenkmäler und entspricht im Um-fang der Ausdehnung Regensburgs um 1320, wobei sich die Stadt bis Ende des 19. Jahrhun-derts kaum vergrößerte. Die Attributhäufung- einmalig, herausragend, am besten erhalten,Schlüsselfunktion- evoziert die Besonderheit des Ortes. Doch besteht das Welterbe nur indiesen Punkten, die in der offiziellen und im Internet für den Interessierten zugänglichen Be-gründung enthalten sind? Ist es die bauliche Substanz, die für sich, aber auch als Repräsentantkultureller, politischer, wirtschaftlicher und religiöser Entwicklungen steht? Ich denke, dass
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Überarbeitete Fassung des Vortrags auf der Österreichischen Volkskundetagung 2007 in Innsbruckam 16.11.2007. Die empirische Basis des Aufsatzes bilden Interviews in Regensburg mit zentralenAkteuren, die an der Bewerbung zum Welterbe und an der Deutung beteiligt sind, teilnehmendeBeobachtung an Veranstaltungen um das Thema Welterbe und verschiedene schriftliche Quellen, darunterZeitungsmeldungen, Programme, Werbebroschüren. Um den Quellennachweis nicht zu überfrachtenwerden nur exemplarisch Verweise eingefügt.
Zur Vereinfachung ist im Folgenden nur vom Weltkulturerbe bzw. Welterbe Regensburg die Rede, gemeintist aber stets die gesamte Welterbestätte.
Die Dokumente sind unter http://whc.unesco.org/en/list/1155( 1.12.2007) abrufbar.Website der UNESCO Deutschland, http://www.unesco.de/379.html?&L=0,( 13.10.2007).
Die Welterbeseiten der Stadt Regensburg unter http://www.regensburg.de/welterbe( 13.10.2007).
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