Von ,, Arbeiterflinserln" und vom„ Schleichen"
Vorbild ,, Arbeitertrommelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Arbeitertrommelweiber"?
In Bad Aussee, wo zumindest seit dem Ende des 13. Jahrhunderts23 Salinen betrieben wurden,entwickelte sich ein reiches Marktbürgertum. Denen stand die Gruppe der unterprivilegier-ten, lohnabhängigen Arbeiter bei den Sudpfannen gegenüber. Als„ Flinserln" konnten aus-schließlich die reichen Bürger auftreten, das teure Kostüm war lange das Distinktionselement.In den letzten Jahren sind neuere, weniger aufwändige Kostüme zu sehen und die„ Flinserl❝-Anzahl steigt, womit die Position auch inflationär wird.
Die antagonistische Positionierung Bürger versus Arbeiter ist, übertragen auf den Brauch,auch bei den„ Trommelweibern Glossar ::: zum Glossareintrag Trommelweibern", einer weiteren Bad Ausseer Faschingsmasken- Gruppe,zu beobachten. Bei diesen existieren einerseits die„ Mårk( t) er-" oder„ Mårikertrommelwei-ber Glossar ::: zum Glossareintrag ber", andererseits die„ Arbeitertrommelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Arbeitertrommelweiber". Die„ Trommelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Trommelweiber" sind ausschließlichmaskierte Männer, in heller, altartiger Frauenkleidung mit Spitzenhäubchen, die als Nacht-hemden interpretiert werden. 24 Diese ziehen durch die Stadt, kehren bei Wirtshäusern undHandwerksbetrieben ein, trinken nicht wenig Alkohol, schlagen Trommeln oder Topfdeckel( deshalb der Name„ Trommelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Trommelweiber") und deren Blasmusik intoniert den„, Faschingmarsch“.Mårk( t) ertrommelweib Glossar ::: zum Glossareintrag ertrommelweib" durfte ursprünglich nur werden, wer Hausbesitz in Bad Aussee so-wie einen erlernten Beruf hatte, eine besitzbezogene Hürde. Die„ Mårk( t) ertrommelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag ertrommelweiber"sind heute am Faschingmontag unterwegs, die„ Arbeitertrommelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Arbeitertrommelweiber" am Dienstag, wo sieam Kurhausplatz auf die„ bürgerlichen" Flinserln treffen. Können die„ Mårikertrommelwei-ber Glossar ::: zum Glossareintrag ber" mit aller Vorsicht mit 1768 datiert werden, so bestehen die„ Arbeitertrommelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Arbeitertrommelweiber" seit1928. Beide, Trommelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Trommelweiber"-Gruppen unterscheiden sich vom Aussehen und von ihrenAufnahmeriten nur marginal, haben sich aber bisher, im Gegensatz zu den ehemals zwei Blas-musikkapellen des Ortes, nicht fusioniert.
,, Arbeiterflinserln" aber hat es bis 2006 niemals gegeben. Das wohl prestigeträchtigste Aus-seer Faschingssymbol wurde nun scherzhaft okkupiert, mit einem„ unterprivilegierten" Zu-satzterminus umbenannt und von der„ Schattseit'npass" angeeignet. Diese Aneignung ist einspielerischer Akt der symbolischen„ Umverteilung“. Sie repräsentiert vielleicht auch eine kleine„ verkehrte Welt" im Feld der großen„ verkehrten Welt" 25 des Faschings, indem ein prestige-trächtiges Distinktionssymbol„ umgewertet" wird. Aber es soll auch das ironisch- schelmischeMoment, der kreative Unterhaltungsfaktor dieser Innovation nicht unbemerkt bleiben.
Zwischen Identität und touristischem Bedarf-das ,, Barbaraspiel" in Altaussee
Auch die ehemals„ geschlossene“ Adventzeit wird, nicht zuletzt aus touristisch- merkantilemInteresse, zunehmend mit„ neuen" Christkindlmärkten sowie„ neuen" Bräuchen„ belebt“.Die Gemeinde Altaussee hat einerseits durch ihre Nähe zum ehemals„ kaiserlichen" Bad Ischlund zu Bad Aussee reiche touristische Erfahrung, andererseits, aufgrund des gegenwärtigen23 Franz Stadler: Salzerzeugung, Salinenorte und Salztransport in der Steiermark vom Frühmittelalter bis heute.Sonderdruck aus ,, Stadt und Salz". Hg. vom Österreichischen Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung unddem Ludwig- Boltzmann- Institut für Stadtgeschichtsforschung. Linz 1988, 42-43.
24 Vgl. Olaf Bockhorn: ,, Heunt is der Faschingtag, Heunt sauf i was i mag". Fasching in Bad Aussee. In: SalzburgerVolkskultur. 23. Jg., April 1999, 14-25, hier: 19.
25 Dietz- Rüdiger Moser: Fastnacht- Fasching- Karneval. Das Fest der verkehrten Welt". Graz- Wien-Köln 1986.
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