Von ,, Arbeiterflinserln" und
vom ,, Schleichen"
Überlegungen zu ,, neuen Bräuchen" im Bezirk Liezen( Steiermark)
Michael J. Greger
Am Anfang von Überlegungen zu„ neuen Bräuchen“ ist es, wenngleich man die Gefahrerkennt, allzu Bekanntes zu wiederholen, notwendig, kurz das glatte und weitläufige Par-kett der Brauchdefinitionen zu betreten. Ohne hier die verschiedenen, in geschliffene, langeSatzkonstrukte verpackten Definitionen auszubreiten, kann mit Andreas C. Bimmer gesagtwerden, dass sich die meisten der Brauchdefinitionen entweder bei„ Konzepten des sozialenHandelns" ¹ verorten lassen oder bei„ Theorien der Kommunikation" ². Als Beispiele sei auf diewegweisenden Definitionen z. B. von Martin Scharfe( 1970/1991) ³ oder Ingeborg Weber-Kellermann( 1985)* hingewiesen.
Für meine Arbeit hat sich die Definition von Ulrike Kammerhofer- Aggermann und LuciaLuidold( Salzburg) als nützlich erwiesen, die ich deshalb hier ausführlicher referieren möchte.So definieren Kammerhofer und Luidold:
„ Bräuche stellen aus Sitten und Normen erwachsene, gemeinschaftsbezogene sowie gemein-schaftsbildende, ritualisierte Handlungen von großer Signalwirkung dar, die einem jeweiligenHandlungsrahmen[...] entspringen.[...] Bräuche sind Verhaltensformen oder Verhaltens-muster, die dem Konsens einer Gruppe entspringen und die Konformität der Gruppe garan-tieren. Als fixer Bestandteil eines Festkreises( Handlungsanleitung) oder einer Jahreszeit stel-len sie auch Zäsuren im Jahr- und Lebenslauf dar, sie machen Zeit erlebbar und messbar." 5Die empirische Basis zu meinen Ausführungen bildet eine bezirksweite Brauch- Erhebungüberlieferter und neuer Bräuche im Jahreslauf. Diese habe ich, gemeinsam mit ehrenamtlichenHelfer( inne) n, hauptsächlich in den Jahren 2003 bis 2006 im Bezirk Liezen in der nördlichenSteiermark für den Verein Schloss Trautenfels, den Förderverein des ,, Landschaftsmuseums inSchloss Trautenfels", im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten LEADER*-Projekts, durchgeführt. Der Bezirk Liezen ist mit seinen 3.270 Quadratkilometern, bezo-gen auf die Fläche, der größte Österreichs. Insgesamt 51 Gemeinden von Pichl- Preunegg imAndreas C. Bimmer: Brauchforschung. In: Rolf Wilhelm Brednich: Grundriß der Volkskunde. Einführung indie Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. Dritte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Berlin2001, 445-468, hier: 446.
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Ebda. 446.
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Martin Scharfe: Zum Rügebrauch. In: Hessische Blätter für Volkskunde 61/1970, 45-68. Wieder veröffentlicht in:Martin Scharfe( Hg.): Brauchforschung.( Wege der Forschung. Bd. 627). Darmstadt 1991, 184-215, hier: 194.Ingeborg Weber- Kellermann: Saure Wochen. Frohe Feste. Fest und Alltag in der Sprache der Bräuche.München- Luzern 1985, 16.
Ulrike Kammerhofer- Aggermann; Lucia Luidold: Bräuche im Salzburger Land aufgelistet und erklärt.Begleitheft zur CD- ROM- Reihe.( Salzburger Beiträge zur Volkskunde. 16). Salzburg 2005, 26.
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