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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
Entstehung
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Unerwünscht erben

Herr N. berichtet, auf die Löschteiche angesprochen: Ja früher haben sie die Leute in dieseBassins reingeworfen, sie haben sie in die Bassins hineingetrieben im Winter. Die mussten solange darin bleiben, bis sie ertrunken waren. Frau E. ergänzt: Zwei waren hier, dort einer undeiner wo der I. draufbaute. Weißt du, wenn die Männer[ sie meint die Überlebenden] kom-men und das sehen, mein Gott. Sie werden sagen, was wir hier mitgemacht haben, wir alle,nein und danach sind überall Häuser darauf gebaut worden. Sie haben direkt auf die Bassinsihre Häuser draufgebaut!" 27

Ein anderer, jüngerer Gesprächspartner schraubte gerade vor seinem Haus neben demGedenkfriedhof am Motor seines Autos. Auf meine Bitte um Auskunft über das ehemali-ge Konzentrationslager meint er, ich solle seinen Vater fragen, denn der kenne sich aus. Erselbst würde sich damit nicht beschäftigen. Nachfragend, weshalb sich denn sein Vater damitbeschäftige, entwickelte sich doch eine Unterhaltung. So erzählt er, dass er seit 2000 in derSiedlung lebe, und nach einer kleinen Pause spricht er weiter und sagt, dass hier das Krema-torium gestanden sei. Er zeigt auf sein Haus, und präzisiert: Die Grundfeste geht so schiefdurch, und hier macht es ein Eck beim Straßendurchgang. Wir haben es gesehen, als wir hiergegraben haben"- er grinst. Auf die Frage, was man da genau sehe, sagt er: Na nur Grund-feste sieht man noch, fast ca. einen Meter darunter. Der Nachbar hat hier einen Apfelbaumeingraben und ist dabei auf eine Platte gekommen- schön poliert, glatt, eben. Dann hat erweiter gegraben und so sahen wir dass sie zu uns rüber geht. Ja, da ist es gestanden, das Krema-torium." 28 Plötzlich erzählt er von sich aus weiter und beginnt seinen Hausbau zu legitimie-ren: Er lebe hier in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit und formuliert: SchönsPlatzerl, das Beste, kann ich jedem empfehlen, neben einem Friedhof ist immer Ruhe" undlacht. 29 Als seine Frau auf uns zukommt, nimmt er sie in den Arm und spricht auch für sie: Nein, nein, wir können die Vergangenheit von der Gegenwart sehr gut trennen." Und erberichtet von seinem Freund und dass dieser eines der" Wasserbassins" in seine Hausarchitek-tur mit eingeplant habe: Das war super betoniert. Dort hat er jetzt praktisch, wenn du beiihm in den Keller gehst, rund herum die leicht schiefe Wand. Dann gehst von seinem Kellernoch mal in einen Keller runter, in den zweiten Keller, und dort ist dann die Schräge an derWand. Das war ein Löschteich, falls es gebrannt hätte, haben sie diese gehabt.30 Der Impetusseiner Erzählung lässt deutlich spüren, wie sehr bei aller Selbstverständlichkeit das Thema ihnbeschäftigt, er es aber dennoch eher zur Seite schiebt.

Herrn D., den vormaligen Besitzer des Grundstücks mit dem Feuerlöschteich, fragte ich,ob es denn einen Unterschied mache, wo man hier in der Siedlung wohne: Das ist sicher,ja das erscheint mir so.31[...] Im KZ oben in der Finkerleitn kommt mir vor, als wenn manfast kein Glück nicht hat, weil hier so viele Leute umgebracht wurden. Ich hätte das nicht sogemacht wie der I. auf so einen blutgetränkten Boden zu bauen. Ich hätte das seinerzeit weghaben wollen, weil der Boden kracht und das bildet man sich ja nicht ein. Das ist Tatsache,mein Gott die haben ja so furchtbar viel mitgemacht die Leute, nicht, das ist ja das Problemgewesen was die Nazis angerichtet hatten." 32

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Frau E. Gespräch mit Peter Egger am 2.10.2007. Min: 08.47.28 Herr K. Gespräch mit Peter Egger am 15.10.2007. Min: 01.23.Herr K. Gespräch mit Peter Egger am 15.10.2007. Min: 03.57.Herr K. Gespräch mit Peter Egger am 15.10.2007. Min: 04.39.Herr D. Gespräch mit Peter Egger am 18.11.2007. Min: 02.09.Herr D. Gespräch mit Peter Egger am 18.11.2007. Min: 00.54.

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