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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
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Inszenierung der Migration und/oder/ als Inszenierung der Nation

Zu Strategien und Widersprüchen von Einwanderungsmuseenin den USA, Kanada und Australien

Joachim Baur

Die Musealisierung der Migration ist derzeit eines der dynamischsten Felder der Museums-landschaft weltweit. Neben der Konjunktur des Themas in temporären und permanentenAusstellungen bestehender Institutionen lässt sich beobachten, dass sich um und für denKomplex Migration- genauer: Immigration- verstärkt eigene Museen gründen bzw. dassderen Gründung projektiert ist. Im Oktober 2007 machte die Eröffnung des neuen französi-schen Einwanderungsmuseums in Paris( nicht nur positive) Schlagzeilen.' In zahlreichen wei-teren Ländern Europas, unter anderem Deutschland, Italien und der Schweiz, sind Initiativenauf dem Weg. Ausdruck der Virulenz des Phänomens ist die Gründung eines internationalenNetzwerks von Migrationsmuseen durch die UNESCO im Oktober 2006.2

In der folgenden Diskussion dieses neuartigen Museumstyps- einiger seiner Ausformun-gen und Implikationen- richte ich den Blick über Europa hinaus auf die Kontexte USA,Kanada und Australien. Die These, die ich dabei verfolgen werde, lautet, dass sich die Grün-dung eigenständiger Einwanderungsmuseen in diesen Ländern wesentlich als Reaktion auf dieKrise gemeinschaftsstiftender Erzählungen und die Heterogenisierung kultureller Identitätenbetrachten lässt.³ In dem die Museen Einwanderung als die gesellschaftlich verbindende Er-fahrung inszenieren, konstruieren sie eine Meistererzählung der Migration und arbeiten auf

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Anlass für Misstöne war, dass zur Eröffnung der Cité Nationale de l'Histoire de l'Immigration kein offiziellerFestakt stattfand. Die feierliche Einweihung, so war zu lesen, ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Episodezeigt einmal mehr, dass die Repräsentation von Migration im Museum nicht nur ein hochaktuelles, sondernauch ein politisch brisantes Thema ist. Denn auch wenn alle Beteiligten bemüht waren, die Bedeutungdes Vorgangs zu relativieren, so hat die symbolische Geste doch tiefergehende Gründe und politischeSprengkraft. In Frankreich schlagen die Wellen in Bezug auf das Thema Immigration hoch. PräsidentSarkozy bereitet einen migrationspolitischen Backlash vor. Im Parlament sollte ein neues, restriktivesEinwanderungsgesetz verabschiedet werden, das bei der Entscheidung über FamilienzusammenführungenGentests für Migranten vorsieht und bis weit ins Regierungslager abgelehnt wird. Schon im Juni 2007 gabes einen Eklat, als acht HistorikerInnen aus dem wissenschaftlichen Beirat der Cité zurücktraten, nicht,weil sie das Museumsprojekt nicht weiter unterstützen wollten, sondern weil sie gegen das von Sarkozyeingerichteten Ministerium für ,, Immigration und nationale Identität", ein Wahlversprechen an FrankreichsRechte, protestieren wollten. In diesem aufgeheizten Klima, so scheint es, kam die Einweihung des Museumseher ungelegen. Zur Cité Nationale und weiteren Migrationsmuseen vgl die Doppelausgabe der ZeitschriftMuseum International, Jg. 59, 2007, H. 1-2.

Dessen Website gibt einen guten Überblick über aktuell existierende und projektierte Ein- undAuswanderungsmuseen: http://www.migrationmuseums.org( Zugriff: 2.2.2008).

3 Umfassend diskutiere ich diese Entwicklung in Joachim Baur: Die Kusealisierung der Migration.Einwanderungsmuseen und die Inszenierung der multikulturellen Nation. Bielefeld 2009.

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