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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
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Kulturelles Erbe als Ergebnis vonEingriffen in natürliche Systeme

,, Der Mensch hat Geschichte, weil er die Natur verändert."( M. Godelier)

Verena Winiwarter

Ausgangspunkt für die umwelthistorische Betrachtung der Frage des immateriellen Kultur-erbes ist die Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes, die von der UNESCO imHerbst 2003 verabschiedet wurde. Die Konvention legt zunächst fest, was alles unter immateri-ellem Kulturerbe zu verstehen ist:

Laut Artikel 2.1 der Konvention sind unter immateriellem Kulturerbe" die Praktiken,Darbietungen, Ausdrucksformen, Kenntnisse und Fähigkeiten- sowie die damit verbunde-nen Instrumente, Objekte, Artefakte und Kulturräume- zu verstehen, die Gemeinschaften,Gruppen und gegebenenfalls Individuen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen. Dieses im-materielle Kulturerbe, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, wird vonGemeinschaften und Gruppen in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, ihrer Interaktionmit der Natur und ihrer Geschichte ständig neu geschaffen und vermittelt ihnen ein Gefühlvon Identität und Kontinuität. Auf diese Weise trägt es zur Förderung des Respekts vor derkulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität bei.[...]

Artikel 2.2d der Konvention legt zusätzlich fest, dass es sich bei den durch die Konventiongeschützten Phänomenen unter anderem insbesondere um Wissen und Praktiken im Umgangmit der Natur und dem Universum handelt.

Um Wissen und um Praktiken im Umgang mit der Natur geht es auch in der Umweltge-schichte. Deren Zugang eignet sich, so der Vorschlag, der im folgenden gemacht werden soll,auf einer theoretisch- konzeptuellen Ebene festzulegen, welcher Art das Wissen und die Prak-tiken sind, die die Konvention unter 2.2d zusammenfassen will. Dabei wird auch klar werden,wie Techniken und Technologie mit dem immateriellen Kulturerbe zusammenhängen. Inseinem einleitenden Referat zur Tagung hat Martin Scharfe den Begriff des immateriellenKulturerbes als naiv bezeichnet. Durch Nachdenken über eine theoretische Klärung desBegriffs kann ihm diese Naivität vielleichtgenommen werden.

Immaterielles Kulturerbe und die Kolonisierung von NaturGehen wir zunächst vom Bekannten aus: Was wird in Österreich derzeit als Weltkulturerbegeschützt? Die Liste ist kurz, der Umfang ist groß: Neben der Kulturlandschaft Wachau, derSemmeringbahn und dem Schloss und Garten von Schönbrunn sind es die Ortszentren von

1 Maurice Godelier: Natur, Arbeit, Geschichte: zu einer universalgeschichtlichen Theorie der Wirtschaftsformen.(= Sozialgeschichtliche Bibliothek bei Junius, 6). Hamburg, 1990, S. 13.

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Online unter: http://www.unesco.ch/work-d/ike3_1.htm( Zugriff: 17.12.2007).

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