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Viktor Geramb : 1884 - 1958 ; Leben und Werk
Entstehung
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empfindet Geramb die dieser veröffentlichten Adresse folgende postalischeGlückwunschflut an den zu dieser Zeit nach Oberwölz Geflüchteten" undGerambs Leiden steigert sich zu bitterer, offener Kritik: ,, Wie gern hätte ichihm und mir das erspart[...] Denkt man an die Welt draußen, dann wird ei-nem schmerzlich genug, aber doch unendlich klar, daß höllische Dämonenam Werke sind, solche Kultur zu zerstören und die arme Menschheit blutigin Irrsinn und Tod zu hetzen"" 512

Von der für das Deutsche Reich immer ungünstigeren Kriegslage bleibt auchGeramb nicht verschont, im Oktober 1943 muss auch er zur Musterung, wieer sarkastisch dem Dichter Werner Bergengruen mitteilt.513 Im Februar 1944fürchtet Geramb, seine im Entstehen begriffene Riehl- Biografie könnte auchverboten werden, weshalb er Bergengruen bittet, dem er Durchschläge zurBergung nach Tirol 514 schickt, bittet, diese geheim zu verwahren.515Vor allem dem vertrauten" Kollegen Wolfram gegenüber thematisiert Ge-ramb speziell sein Leiden unter den Angriffen von Mitarbeiter( innen) des Amtes Rosenberg", vor allem wenn es sich, wie bei Karl Ruprecht, umeinen ehemaligen Hörer handelt.516 Im selben Brief vom 5. August 1944[ Kontextdatierung] erwähnt Geramb auch starke gesundheitliche Probleme,seine innere Ruhelosigkeit und eine empfundene Schweigeverpflichtungden Missständen gegenüber. Im Brief an Wolfram vom 26. November 1944führt Geramb seine neu aufflammende Krankheit auf die bedrückendenZeitverhältnisse zurück. Er rechnet damit, und spricht das gegenüber sei-nem Korrespondenzpartner Wolfram aus, dass ihn weiteres Erleben vonHass und Grausamkeiten letztendlich ins Grab bringen werde. In Verbin-dung mit dieser Äußerung streut er Wolfram Blumen, indem er seiner Freu-de Ausdruck gibt, Wolfram tätig zu wissen. Im Antwortbrief Wolframs vom22. Dezember 1944 spricht dieser ihm Mut zu. Wolfram versucht Gerambmit der Vorstellung aufzurichten, er werde doch seinen Gegnern nicht denGefallen seines Ablebens machen. Als zusätzlichen Trost erwähnt Wolframweitere Interventionen für Geramb. 517

13.8. DAS KRIEGSENDE

Je näher das Kriegsende rückt, desto näher schiebt sich die Front an dieSteiermark und Graz heran. Graz ist bereits ab 1943 für alliierte Bomber-verbände leicht zu erreichen und wird in der Folge immer häufiger Zielge-biet für feindliche Luftangriffe. Die vermehrten Luftangriffe wirken sich auchauf das Volkskundemuseum und seine Mitarbeiter( inn) en und damit aufGerambs berufliche Tätigkeit aus. So informiert Geramb am

12. November 1943 Max Mell, dass[ d] as Museum selbst[...] ja seit Lan-gem großteils ausgeräumt sei. Bernhard Schweighofer hat in seiner Dip-lomarbeit festgestellt, dass bereits am 20. März 1942 die ersten, 6 Käs-ten mit Trachten und 8 Kisten mit Büchern" 518 in das Mayr- Melnhof'sche

GERAMB LEBEN 73