13.7. DER„ SCHILLERNDE“.
ZWISCHEN ANPASSUNG, VERÄRGERTER
OPPOSITION UND VERZWEIFELTER RESIGNATION.
Versucht man Gerambs Umgang mit dem Nationalsozialismus über die ge-samte Dauer des NS- Regimes in Österreich analysierend zu überschauen,so kann als Erstes gesagt werden, dass für Geramb die plakative Etikette„ Nazi“ nicht zutrifft, da er mit dem Nationalsozialismus nie hundertprozentigund wohl, mit zunehmendem Wissen um die menschenverachtenden Sei-ten des NS- Staates, immer weniger einverstanden war. Es wurde bereitsausgeführt, dass Geramb sich nicht unter die„ Märzgefallenen“ des Jahres1938 einreiht und eine Parteimitgliedschaft ablehnt. Gleichwohl besteht an-fängliche Begeisterung über den erfolgten„ Anschluss". Als Geramb nunab Juni 1938 mit den ersten negativen Seiten des Regimes konfrontiertist und sein Lehramt bedroht sehen muss, vollbringt er durchaus Anpas-sungsleistungen. So bemüht er sich z. B. mehrfach um die Aufnahme inden„ NSD- Dozentenbund" 457. Ihm wird jedoch„ nach eigenen Angaben[...]immer bedeutet, daß darüber erst ein Bescheid erwartet werde❝458; Gerambwird hingehalten. Auf den Leidensdruck, hervorgerufen durch die Kriegs-zerstörungen der Heimat wie die wiederkehrenden Kränkungen durch dasRegime, reagiert Geramb teils aggressiv- opponierend, teils resignativ- de-pressiv. Dazu kommt die fallweise indirekte Unterstützung des Systemsdurch wiederkehrende„,( Mit-) Arbeit“ an Fachwerken, die Geramb als quasi,, unpolitische" Fachnotwendigkeiten versteht.
So führt Geramb 1941 Bauernhausbesichtigungen im Auftrag des„ Gau-konservators" für Steiermark durch.459 Er wird auch von der„ Reichsar-beits- Gemeinschaft für Raumforschung in Berlin mit Hausforschungenbetraut" 460, für deren Durchführung sich Geramb 1942 von der Reichsstatt-halterei beispielsweise einen Studienurlaub erbittet. Diese Studien erwähntGeramb auch in einem Brief an Richard Wolfram im September 1945461.Geramb ist demnach unter anderem im Großarltal tätig und verfasst dar-über eine Arbeit, die er in Berlin weiß und 1945 als kriegsbedingt zerstörtvermutet.462
Dass Viktor Geramb keineswegs völlig„ in Ungnade" gefallen ist, wie gele-gentlich zu lesen ist, belegt die Geramb vom Gauleiter anvertraute Leitungder Fachgruppe„ Bauernhaus" innerhalb der„ Arbeitsgemeinschaft Heimat-liches Bauen". Innerhalb dieser als„ kriegswichtig" eingestuften Tätigkeitwerden„ ,, denkmalwürdige Bauernhöfe erfaßt" 463. Weiters wird Geramb1942 vom„, Reichspropagandaamt Steiermark" zu einer Besprechungsteil-nahme der„ ,, Kulturfilmabteilung des Reichsministeriums für Propagandaund Volksaufklärung“ 464 betreffend einen geplanten Film über Peter Ro-segger gebeten. Einer mutigen Rehabilitierung Gerambs, so ReinhardJohler, kommt der Versuch seines Freundes Hermann Wopfner nahe, der
GERAMB LEBEN 68