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Viktor Geramb : 1884 - 1958 ; Leben und Werk
Entstehung
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legt, folgendermaßen charakterisiert: Eines dürfte dieser Gruppe von Wis-senschaftern, der Geramb damit zuzurechnen ist, gemeinsam sein: In ihrerBegeisterung für das Fach machten sie es den Nazis nur allzu leicht, sievor den Karren einer unmenschlichen Ideologie zu spannen und für ihreZwecke zu benutzen." 423

13.6.1. DIE KINDER- UND HAUSMÄRCHEN UND

,, HAUS UND HOF DEUTSCHER BAUERN"

Eine Publikation Gerambs sowie die Mitarbeit an einem größeren Publi-kationsprojekt der Kriegszeit verdienen eine nähere Betrachtung, weil Ge-ramb speziell durch diese Arbeiten abermals in Verstrickungen und Prob-leme mit dem NS- Parteiapparat gerät: Kinder- und Hausmärchen aus derSteiermark" 424 und die Mitarbeit an der Buchreihe, Haus und Hof deutscherBauern" 425

1941 initiiert der Gauobmann der Gruppe Schriftsteller in der Reichsschrift-tumskammer, der Dichter Paul Anton Keller( 1907-1976) 426, innerhalb desehemaligen Leykam- Verlages, damals NS- Gauverlag, eine Buchreihe DerKranz. Aus Steiermarks schöpferischer Kraft". Im ersten Band dieser Reihesoll Viktor Geramb die von ihm gesammelten Kinder- und Hausmärchenaus der Steiermark" 427 publizieren. Im Nachwort macht Geramb, der sehrwahrscheinlich durch die eröffnete Publikationsmöglichkeit allzu froh ge-stimmt ist, allerdings den Fehler, sich explizit bei Keller und der Reichs-schrifttumskammer zu bedanken. Keller, der die Korrekturfahnen nicht liest,kann Geramb demnach auch nicht warnen. 428 Von diesem Dank Gerambsfühlt sich offenbar der Gauschulungsleiter Dr. Heinrich Hoffer, ein alter Kriti-ker Gerambs, provoziert. Von einem Dr. K. R., nach Kellers Angaben einemMentor Hoffers, ich bin seinem Namen nie wieder begegnet, vielleicht warer kein Steirer[...]" 429, ergeht an Keller eine Liste mit sechzig Änderungs-vorschlägen und ein zweiseitiges weltanschauliches Begleitschreiben. DieÄnderungsvorschläge, die Keller 1976 nur in Auszügen publiziert, lautenz. B.: ,, Beim Märchen vom kranken Hans!(' Das Waldschloß') wäre hinzu-weisen, daß es sich um keine Erbkrankheit handelt.[...] Die Geschichten' Der goldene Hirsch'-' Der verstockte Schneider'-' Der alte Schimmel'-' Das Taufgeschenk' sollten wegfallen.[...] Es muß das Wort' menschlichen'durch das Wort' deutsch' ersetzt werden." 430

In dem zweiseitigen Begleitschreiben Dr. K. R.s finden sich, Geramb be-treffend, folgende Worte:

,,, Die Durchsicht bestätigte dann durchaus den 1. Eindruck,daß auch dieses Märchenbuch den Stempel jener eigentümli-chen und unglücklichen Zwiespältigkeit trägt, die für das volks-kundliche Werk und die Persönlichkeit Viktor von Gerambs so

GERAMB LEBEN 64