„ Anschluss" sowie sein Einsatz für„ bedrängte Nationalsozialisten❝386 in derZeit vor deren Machtergreifung ins Treffen zu führen. Gleichzeitig ist Ge-ramb aber kein Parteimitglied der NSDAP, ja er lehnt, wahrscheinlich auf-grund seines nur„ 50-60%-igen" Einverständnisses mit dem Nationalsozi-alismus, die angebotene„ Mitgliedschaft bei der n[ ational-] s[ ozialistischen]Parte 387 ab und sieht darin 1946 den Hintergrund seiner Absetzung vomLehramt.
13.5. BEMERKUNGEN ZUR SITUATION DER
UNIVERSITÄREN GRAZER VOLKSKUNDE NACH
GERAMBS ENTHEBUNG
Mit Viktor Gerambs Enthebung ist nicht automatisch die Eliminierung desFaches„ Volkskunde“ vom Grazer Universitätsboden verbunden, hat dasFach doch, wie bereits angedeutet, für die Verbreitung der NS- Ideologiedurchaus brauchbare Facetten.
Folgt man Ausführungen des Zeitzeugen Dr. Sepp Walter( 1915-2005), sobot nach der Enthebung Viktor Gerambs der Kunsthistoriker und Leiter derAbteilung für Kulturgeschichte und Kunstgewerbe am SteiermärkischenLandesmuseum Joanneum, Georg Wolfbauer( 1902-1972), Lehrveran-staltungen mit volkskundlichen Inhalten an. Diese Lehrveranstaltungenwurden, so Dr. Walter, ausgehend von den höhersemestrigen Geramb-Hörer( inne) n allerdings„ bestreikt“. 388 Umgekehrt ist Gerambs privaten Ta-gebüchern, z. B. jenem aus 1944, zu entnehmen, dass Geramb in seinemLandhaus am Gedersberg etwa fünfmal, zumeist an Sonntagen, Besuchvon„ Studenten" bekam, die offenbar quasi in alter Verbundenheit bei Ge-ramb weiterhin hörten. Geramb schreibt am 18. November 1944 beispiels-weise von„ meine[ n] Studenten".
Am 25. Oktober 1939 übernimmt der Germanist Leo Jutz den„ Volkskund-lichen Lehrapparat" in kommissarische Leitung und sollte diesen bis zumEnde des Zweiten Weltkrieges innehaben.389 Im Vergleich zu den Univer-sitäten Wien 390, Innsbruck 391 und vielen deutschen Universitäten, wo dieNationalsozialist( inn) en eigene Lehrstühle für Volkskunde begründen,verläuft die Entwicklung in Graz, wahrscheinlich auch bedingt durch Ge-rambs unbesoldete„ Sonderstellung", weitaus ruhiger. Allerdings hat manauch in Graz bereits 1939 einen geeigneten Kandidaten für eine volks-kundliche Habilitation gesucht und findet diesen, da die Volkskunde insti-tutionell und auch thematisch stark mit der Germanistik verkoppelt ist, imUmfeld des Volksschauspiel- Forschers Karl Polheim. Am ehesten kämendie beiden Mitarbeiter Gerambs am Steirischen Volkskundemuseum HannsKoren( seit 1936) und Leopold Kretzenbacher 392( seit 1938) in Frage, wobeiKoren durch seine einschlägig- katholische Vorbelastung von vornherein aus-scheidet. So wird Leopold Kretzenbacher aufgefordert, sich ehestmöglich zu
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