genehmigter vierstündiger Lehrauftrag mit dem Ende des Studienjahres1937/38 ausgelaufen ist. Am 14. Oktober 1938 schreibt daher der kommis-sarische Dekan Polheim an das„ Ministerium für innere und kulturelle An-gelegenheiten, Erziehung, Kultus und Unterricht“ und bittet um Mitteilung,,, wie es mit dem Lehrauftrag Professor] Gerambs im nächsten Semesterzu halten ist" 359. Offenbar wird der Lehrauftrag Gerambs nicht verlängert,da bereits am 28. Oktober der neue kommissarische Dekan der philoso-phischen Fakultät, Franz Angel, der Quästur der Universität Graz mitteilt,dass die für das Wintersemester 1938/39 geplanten Lehrveranstaltungen360Gerambs entfallen.
Geramb, der weder enthoben noch beurlaubt ist, aber anscheinend nichtlehrt361, schreibt, um dieser quälenden Ungewissheit ein Ende zu machen,am 15. Dezember 1938 an den Rektor der Universität und bittet ihn, imLichte der vergebenen Dissertationen über seine Lage zu entscheiden,was aber nicht geschieht.362
13.3. EXKURS: GERAMBS STELLUNG AM
VOLKSKUNDEMUSEUM UND DIE NS- BEDROHUNG
Ein„ weltanschaulich problematischer" Musealvorstand Geramb am Steiri-schen Volkskundemuseum ist auch den steirischen NS- Machthaber( inne) nein Dorn im Auge. Gerambs Position noch mehr ins Wanken bringt die Be-schäftigung des„, wissenschaftlichen Assistenten" Dr. Hanns Koren363 amMuseum, des ehemaligen Leiters eines bei den Nazis verhassten„ Insti-tuts für religiöse Volkskunde“ an der Universität Salzburg. Die WidersacherGerambs sind hier dieselben wie an der Universität, ein enger Kreis umGauleiter Dr. Sigfried Uiberreither, besonders prononciert das Gauschu-lungsamt und dessen Leiter Heinrich Hoffer.
In einer Aussprache zwischen Viktor Geramb und dem Gauleiter am22. Juli 1938 sagt Uiberreither Geramb die weitere Leitung des Museumszu, Hanns Koren soll jedoch entlassen werden. Nachdem Geramb jedochsein Schicksal mit dem Korens verknüpft, darf auch Koren bleiben.364 Dochdiese vermeintliche Klarheit, die unverändertes Weiterarbeiten suggerierenkönnte, ist keine solche. Wie aus einem Schreiben Gerambs vom 12. No-vember 1938 an Gauleiter Uiberreither ersichtlich wird, hat Gauschulungs-leiter Hoffer bereits zwei Wochen nach der erwähnten Aussprache vom22. Juli Briefe ,, an Volkskundler in Steiermark und Kärnten mit der ausdrück-lichen Anfrage gesendet[...], ob sie nicht ihre Stellung aufgeben und dafüreine, leitende Mitarbeit am Steirischen Volkskundemuseum' übernehmenkönnen“ 365. Geramb muss also erkennen, dass hier offenbar mit gezink-ten Karten gespielt wird oder die rechte Hand der Gauleitung nicht weiß,was die linke tut. Vielleicht ist auch das der Grund, warum sich Geramb indiesem Brief auf ein Zitat Adolf Hitlers, das„ Führerwort":„ Deutsch sein
GERAMB LEBEN 58