Druckschrift 
Viktor Geramb : 1884 - 1958 ; Leben und Werk
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

letzten Jahrganges Vorlesungen aus dem Gebiete der Volkskunde haltenzu wollen" 219. Geramb beginnt hierauf im Sommersemester 1929 einenviersemestrigen Vorlesungszyklus Einführung in die Volkskunde" 220 undlehrt ununterbrochen bis zum WS 1938/39 auch an der Theologischen Fa-kultät seiner Alma Mater.

9.4. KARRIEREHÜRDEN

Die Konjunktur des Faches Deutsche Volkskunde, Gerambs Sonder-stellung als, unbesoldeter" außerordentlicher Professor und seine Karri-ereinteressen sowie taktische Überlegungen einer Lobby innerhalb desProfessorenkollegiums sind wohl der Hintergrund für den Beschluss desProfessorenkollegiums der philosophischen Fakultät der Universität Grazvom 19. Juni 1935, eine Kommission in der Angelegenheit Ernennung desunbes[ oldeten] a[ uẞer] o[ rdentlichen] Professors] Dr. Viktor Geramb zumunbes[ oldeten] ordent/[ ichen] Univ[ ersitäts-] Professor" 221 einzusetzen. DieKommission führt als Argumente für Gerambs Ernennung neben seinenVerdiensten in Forschung und Lehre auch die ihr bedenklich erscheinende Schrumpfung der Fakultät" 222, v. a. was die Anzahl der Ordinarien anbe-langt, ins Treffen. Hier könnte eine Ernennung Geramb das ungünstige Ziffernmäßige Verhältnis der Ordinarien zu den Extraordinarien" 223 etwasausgleichen. Eine Ernennung Gerambs wird deshalb favorisiert, da dieseden Staatshaushalt nicht belastet. Gleichwohl ist sich die Kommission be-wusst, dass Geramb zu diesem Zeitpunkt einer der dienstjüngsten Extra-ordinarien ist und manche verdiente Kolleg( inn) en teilweise schon längerauf eine diesbezügliche Ernennung warteten. Die Kommission möchte al-lerdings die gegebene Lage❝224 ausnützen.

Der Ernennungsvorschlag der Kommission findet allerdings nicht mehrdie ungeteilte Zustimmung innerhalb des Professorenkollegiums. Der Vor-schlag der Kommission findet nur eine Mehrheit von 13: 10 Stimmen. Auchwird ein Minderheitsvotum dem Antrag an das Bundesministerium für Un-terricht vom 16. Juli 1935 beigegeben. In diesem argumentieren die Un-terzeichneten in Richtung einer Kränkung der übrigen Extraordinarien derFakultät, die z. T. wesentlich länger auf ihre Ernennung warteten; auch wird die theoretische Gleichwertigkeit aller Wissenschaften selbstverständlichzugegeben" 225 der dringende Fakultätsbedarf eines volkskundlichen Ordi-nariates in Frage gestellt. Weiters wird generell die Ernennung von unbe-soldeten Professoren, also eines der offensichtlich taktischen Argumenteder Kommission, kritisiert.

Das Ministerium reagiert auf den Antrag des Professorenkollegiums offen-sichtlich nicht, was vom Kollegium als Ablehnung interpretiert wird. 226 Hie-rauf beantragt das Professorenkollegium am 7. Dezember 1935, mit denArgumenten der zunehmenden Überbelastung der Sehkraft Gerambs in

GERAMB LEBEN 37