Löwen der Berge, das Sinnbild der Kraft und der Stärke und darum ihr gesellt. Nicht anders diegeflügelten Drachen, die in uralter heraldischer Paarung an ihr emporstreben; was anderes könnteein albanisches Dichterherz erfreuen, als diese seine stärksten Zeichen?
In der Tat glauben wir dies als beabsichtigten Inhalt nehmen zu sollen; mythologisch formel-hafte Gestalten in architektonischem Aufbau phantastisch geeint hat das Streben des Künstlers andiesem Kunstwerk verwendet, das mit zu den besten Leistungen volkstümlicher Schöpfung zählt.
B. Das Basarhandwerk.
Den im Hausfleiß erzeugten einfachen Schnitzarbeiten steht nun eine ganze Reihe von Schreiner-arbeiten gegenüber, die im städtischen, im Basarhandwerk wurzeln und dementsprechend weiterekulturgeschichtliche Beziehungen aufweisen als die bodenständigen bäuerlichen Leistungen.
Dieses Handwerk erstreckt sich, soweit es künstlerischen Charakter besitzt, vorzugsweise aufdie Erzeugung von Truhen, doch werden auch Reliefschnitzereien an Kästen und Türen fürMoscheen und Kirchen in der gleichen Art hergestellt, wobei wiederum besonders das west-liche Küstengebiet der Balkanhalbinsel mit zahlreichen und auch mit den mannigfaltigstenLeistungen vertreten erscheint.
Schon an den Truhen, die im Görzer Küstenland gebräuchlich sind, fällt im Gegensatz zu denalpenländischen mannigfach abgewandelten Behältnissen dieser Art an der Vorderwand eine eigenartigeTechnik der Musterbildung zu Blumen und Baumgestalten mittels flüchtig gezogener Kerbschnittlinien insAuge, die vervollkommt auch an Truhen in der Umgebung von Alessio wiederkehrt( Abb. 35 oben); einederartige Anwendung des Kerbschnittes im großen erscheint wohl als ein bodenständig dem Bedürfnisentsprungener Versuch, sich von der Einfuhr der in anderer Technik geschmückten Arbeiten aus dem Westenunabhängig zu machen.
Die besten Erfolge in dieser Hinsicht hat das Basarhandwerk im Umkreis von Südbosnien,Alt- Serbien und Nordalbanien aufzuweisen; im besondern scheint Skutari der Erzeugungs-mittelpunkt für Truhen gewesen zu sein, die eine wie die andere dasselbe Ziermuster zeigen, wobeiBlumenvasen mit Sternblütenzweigen zusamt Zypressenreihen, in mehreren Maßstäben neben-und übereinander gestellt, in einer Umrahmung von Wellenranken als Flächenfüllung in flachemRelief auftreten. Vereinzelt treten auch Häuser östlicher Bauform, Vögel im Gezweig, seltsamgenug oft doppelköpfig geformt, als Füllung auf( Taf. XXIII, 2 u. Abb. 35). Nicht viel anderserscheinen auch die Türen an einzelnen Bauwerken in diesen Gebieten geschmückt( Abb. 36 u. 37).Der ganze Zierstil weist uns zweifellos nach dem Osten. Auch technisch sind Beziehungen zusyrischen Arbeiten festzustellen, doch wurzelt der Betrieb sicher im oben umschriebenen Gebietund damit immerhin in Daseinsformen, denen abendländische Glossar ::: zum Glossareintrag abendländische Kunst gewiß nicht fremd gebliebenist und es wird sich als zeitliche Grenze etwa das Ende des 16. Jahrhunderts für das Auf-kommen der Arbeiten festsetzen lassen. Jedenfalls ist dieses Kunstgewerbe in weitem Umkreis daseigenartigste und fruchtbarste gewesen, von dem wir wissen; wir finden seine Erzeugnisse bis Tunisverschlagen, ohne daß ihm, abgesehen von der koptischen Schnitzerei im östlichen Mittelmeerbecken,etwas zur Seite gestellt werden könnte.
In Albanien scheint die Kunst heute ziemlich erloschen, in Bosnien setzt sie sich dank derFörderung des dortigen Hausgewerbes noch fort und erstreckt sich dort hauptsächlich noch auf dieHerstellung von kleinen Holztruhen, sechsseitigen Kaffeetischen u. s. w.
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