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III. Die Holzarbeiten.
Gruppen und Unterschiede.
ie künstlerisch verzierten Holzarbeiten lassen sich nach ihrer Verwendung leichtin drei Gruppen scheiden.
1. Holzgeräte für den persönlichen Gebrauch im bäuerlichen Wirtschaftsleben: dazuzählen Kuh- und Schafbänder, Stöcke, Wetzsteinkumpfe, Wäschebläuel, Spinnstöcke und Spindeln,Spiegelkästchen, Zündholzbüchsen u. s. w.
2. Hausrat im allgemeinen, und zwar: Stühle und Schemel, Truhen, verschiedener kleinerHausrat.
3. Werke der Holzschnitzkunst im Bereiche höherer Lebenshaltung( in vornehmen Haus-haltungen, Moscheen, Kirchen), dazu zählen: Wand- und Deckenverkleidungen, Vertäfelungen miteingelassenen Kästen, geschnitzte Türen und kirchliche Schnitzwerke, wie Ikonostaswände orthodoxerKirchen, Kanzeln( Mimbars) in Moscheen u. dgl.
Mit der verschiedenen Zweckbestimmung sondern sich gleichlaufend auch die wirtschaftlichenErzeugungsstufen für derlei Gerät ab als Hauswerk, Handwerk der BasartischlerZimmermanns- und Holzbildhauerarbeit.
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Zugleich sind diese Gruppen schließlich auch Vertreter typisch verschiedener Ziertechnikenund eines mit diesen gleichsinnig abgewandelten Stilcharakters. Die Kunstforschung hat dieseArbeiten kaum noch bisher beachtet; das künstlerische Empfinden des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes ist für sie über-haupt noch nicht rege geworden, gleichwohl sind diese lebendigen Zeugen alter künstlerischerÜberlieferungen und guter handwerklicher Schule in der Hauskultur vom einfachsten Arbeitsbehelfbis zu den Bequemlichkeiten eines vornehm eingerichteten Herrenhauses danach angetan, in mehrals einer Beziehung unser Interesse für sich in Anspruch zu nehmen.
A. Hirtenarbeiten und Hauswerk.
Die Spinnrocken.
Die Hirten- und Bauernarbeiten lenken wie überall in Europa unsere Aufmerksamkeitvor allem in dem Sinne auf sich, daß sie älteste Formen und Muster in Technik und Stilbewahren, an denen der Wandel der Zeiten zufolge ihrer gleichbleibenden Zweckbestimmung nurwenig zu ändern vermochte[ 25].
Wie noch auszuführen, hat sich das mannigfaltige Kleingerät, das hieher gehört, aus rechtverschiedenen Quellen im Laufe der Zeiten zusammengefunden, die Liebe des Volkes in höheremwie im wörtlichen Sinn hat sie jedoch samt und sonders recht gleichförmig mit einem durch Ge-nerationen vererbten Formenschatz geschmückt, bereichert und damit recht persönlich sich zu eigengemacht. Die meisten der weiblichen Arbeitsgeräte sind Minnegaben, besser Brautgeschenke, undihre Zier darum eine besonders reiche, was vorab von den Spinnrocken gilt, gewiß den mannig-faltigsten Arbeiten unter all den vielen Schnitzwerken.
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Eine zeitliche Grenze für das Aufkommen dieses in den Händen der Frauen uralten Behelfszum Aufstecken oder Aufbinden der Spinnwolle läßt sich nach unseren heutigen Kenntnissen nirgends feststellen.Immerhin sei hervorgehoben, daß eine der Kunst in Vorderasien angehörige Darstellung einer Spinnerin( um 2000 v. Chr.) diese ohne Spinnstock, nur mit der Spindel, die aus dem Korbe aufgenommene Wolle
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