alb. veshine!9. 1917Kemmer
Abb. 24. Webstuhl fürgemusterte und gewirkteBaumwolltücher. Albanien
Daher ist es keineswegs ein geändertes„ Kunstwollen" dieser Mittelmeerkunst in den Spättagender Antike gewesen, wie A. Riegl[ 47] vermeint hat, wenn alles Bildhafte damals diesen geometrischenFlächenmustern fast zur Gänze weicht, vielmehr eine zeitweilige„ mechanische" Verdrängung auf allenLinien durch jene Kräfte, die in den Reihen eines aus dem Norden und Osten her sich neu gestaltendenVolkstums dessen Schmuckbedürfnis mit ihrem handwerksmäßigen Können auch auf dem Boden der antiken Weltzu befriedigen hatten; ihre Kunst ist auf ihm bis zum heutigen Tage eine„ volkstümliche"verblieben. Daß es sich in der Tat um einen zusammenhängenden Kreis und hervorragendenBestandteil alter Volkskunst handle, die in der lebendigen Arbeit des Volkes fast unverändert wurzelt,beweist uns das räumliche und zeitliche Bestehen dieser Musterkreise in Osteuropa von der jüngeren Steinzeitangefangen. Mag auch jede der vorgeschichtlichen Entwicklungsstufen einen eigenen ihr charakteristischenZeitstil ausgeprägt haben, so verharren doch immer wieder Einzelbelege in den ganzen oben ausgestecktenweiten geographischen Grenzen, in strenger, reiner Formgebung des Mäandergeflechts; weder inder Keramik noch in der Metallarbeit zeigt sich unorganische Entartung noch zeichnerischeVerbildung im Laufe der Zeit, wie sie bei flüchtigerer Nachzeichnung namentlich auf Tongefaßen allent-halben und in allen Erdteilen sich verfolgen läßt; ein Beweis, daß seine Überlieferung in lebendiger Weiseauf technologischen Grundlagen sich durch alle diese Zeiten gleichsam anonym erstreckt hat. Nur so istauch die überwältigende Beeinflussung erklärlich, die dieser Musterkreis in der Völkerwanderung auf diegesamte Kunst des römischen Weltreiches auszuüben vermocht hat. Wenn man es einmal gelernt hat, ander geographischen Verbreitung gewisser Kunstformen methodisch nicht achtlos vorüber zu gehen, dannfügt sich auch die Entwicklung des römischen Mosaiks sinngemäß in diese Erkenntnis ein. Geradedie illyrischen Provinzen sind es, man vergleiche etwa die Mosaiken in Bad Ilidže in Bosnien oderin Aquileja, in denen jenes Überwuchern der Bandgeflechte aus der Umrahmung bis in die Bildfläche selbsteintritt, die„ innere Entwicklung" in dieser Hinsicht bedeuten oder beweisen soll. Tatsächlich beweist sieim Mantel der Antike möchte man sagennur, daß hierbarbarischer Glossar ::: zum Glossareintrag barbarischer Stil und seine Formenüber-lieferung in der Blütezeit des Reiches obsiegt, während Afrika oder Spanien diese Entwicklung niemalsdurchgemacht hat[ 70].
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