Anhang: Die künstlerischen Erzeugnisse der Töpferei.
Die Töpferei Südosteuropas ist neben den glänzenden Hervorbringungen islamischen Kunst-gewerbes in Gestalt prunkvoller Fayenceerzeugung allezeit im Dunkel volkstümlich bescheidenerHandwerksübung verblieben, nicht ohne daß dabei einzelne Formen zu erlesenem Adel derstilistischen Erscheinung emporgehoben worden wären( Taf. VIII, 1, 4, 5, 9).
Im billigsten Preise stehend, dünken sie ihre Schöpfer anscheinend kaum ernsterer zünftigerÜberlieferung und Festlegung wert und nur allzuleicht überwuchert im ganzen Gebiet spaßhaft undgeschmacklos spielerische Handfertigkeit, die den unmöglichsten Tand an die besseren alten Formenklebt; Kanonenrohre, Vogelgestalten u. dgl., so in der„ Dardanellen- Keramik“, wie an ähnlichenbosnischen Erzeugnissen. Vielleicht daß ältere, der Untersuchung würdige Überlieferungen an denaufgesetzten Bäumchen mit einer Vogelgestalt im Wipfel sich zeigen bei den Greifen und Tier-figuren am Halse serbischer Erzeugnisse wäre vielleicht an die„ Bärenkrüge“ mitteleuropäischerVergangenheit zu denken im ganzen haben diese Leistungen weder volkswirtschaftliche nochkünstlerisch nennenswerte Bedeutung( Taf. VIII, 2, 6-8).
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Kulturgeschichtlich ist zur Formenentwicklung von mir an anderem Ort schon einiges beigebrachtworden; daß auch diese manchmal geradezu geschmackwidrige Erzeugnisse ein tieferes Eingehen verdienen,bezeugen die von C. Jireček aus Bulgarien erwähnten grünbegossenen hohlen Pferdefiguren, die nachihm an„ vorhistorische" Produkte oder an alte„ Aquamanilien" erinnern. Der Stammbaum dieser auch inRumänien erzeugten Dinger ist damit durchaus richtig gekennzeichnet.
Erfreulicher dem Auge sind die letzten Kinder östlicher in engstem Gesichtskreis patriarchalerSitten überlieferter künstlerischer Übung, Arbeiten eines am Ende seiner Lebensbahn stehenden altenTöpfers in Nordbosnien( Taf. VIII, 10—13). Ein bißchen verspielt muten sie alle an, auch wohl ein weniggeschmacklos, diese nur der Verzierung des orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Heims ohne tieferen Sinn und Zweckgewidmeten Dinger. Doch verdient ihr Schmuck, der mit uralten Motiven, dem Wirbelmuster undähnlichem, arbeitet und wie in frühesten Zeiten der Mittelmeerkultur mit Tonfarbe auf dem nacktenTongrund aufgetragen wird, unsere kulturgeschichtliche Beachtung. Es sind altgriechische, etwa derDipylonzeit angehörige Kunstgriffe, die wir an einzelnen Beispielen solchergestalt verlebendigt sehen.An ein wesentliches Problem der europäischen Fayenceentwicklung rühren wir mit derBesprechung einer Pilgerflasche in halbmajolika artiger Ausführung. Sie ist roh auf weißemAnguß mit Ritzmuster verziert und mit gelber und grüner Glasur überlaufen. In dieser Ausführungentspricht sie dem Grundtypus der italienischen Mezzamajolika seit dem 15. Jahrhundert.Es steht außer Zweifel, daß die einschlägigen Arbeiten, die in Albanien auftauchen, mit letztererzu verknüpfen sind, obwohl die bisher angetroffenen Einzelstücke kaum über das 19. Jahrhundertzurückreichen( Taf. VIII, 2).
Vor allem beweisen Scherbenfunde, die in Montenegro überliefert sind, eine weitaus ältereAnwesenheit der Technik. Es entsteht nun die Frage, ob der Ursprung dieser Erzeugnisse unmittelbar inspätrömischer Glasurware zu suchen ist, die nach frdl. Mitteilung von Dr. C. Praschniker vielfachvollkommen übereinstimmende Funde liefert, oder ob die italische Handwerksübung des ausgehenden Mittel-alters als Mutterschoß anzunehmen ist.
Für letztere Annahme spricht vor allem der Umstand, daß in der östlichen Landzone der abend-ländischen Glossar ::: zum Glossareintrag ländischen Majolikaerzeugung in Galizien wie in Siebenbürgen( Szeklergebiet) allgemein solcheVorformen sich erhalten haben, die nach Technik und Farbengebung vollkommen diesen ältesten Typenentsprechen, die beispielsweise in der volkstümlichen Töpferei Welschtirols ebenso wie in der Schweiz,bis auf den heutigen Tag noch fortleben.
Die Entwicklung des Handwerks dürfte somit von spätrömisch- byzantinischer Kunstübung in Süd-und Südosteuropa ausgegangen und in Italien zu einer bestimmten Ausprägung gediehen sein, von derdann alle umgehenden Länder in weitem Umkreis das ihre abgelernt haben; eine jeweils selbständigeörtliche„ Ur"-bildung anzunehmen, scheint bei den besonders nahen technischen Beziehungen der heutigenStücke untereinander nicht angängig.
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