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Volkskunst der Balkanländer : in ihren Grundlagen erläutert
Entstehung
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Bedürfnislosigkeit, allen Besitz auf die Person des Eigners zu häufen und ihm allen Glanz derselbenstets unmittelbar gegenwärtig zukommen zu lassen, auch eine Folge des unruhevoll kriegerischenund stets in Kampf und Fehde aller Art bedrängten Lebens der Bevölkerung. Wer täglich vonpersönlichen Gegnern, Grundherren oder feindlichen Haufen um Haus und Hof gebracht werdenkann, dem wird das Vollgefühl seiner Persönlichkeit sich und anderen gegenüber zum wichtigstenLebensinhalt. Daher rührt auch die rege Anteilnahme, die das Volk an der Ausführung der ansich durchaus nicht eigenartig geformten Stücke nimmt, die vielfach auf persönliche Bestellunggemacht werden[ 5].

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Dabei bringt es der Handelswert der Stücke, sowie die Eigenart des Handels und Wandels dieserLänder mit sich, daß vollkommen gleichartige Formen offensichtlich aus ein und derselben Werkstattstammend an die verschiedensten Orte verschlagen werden und auch wieder der Tracht" einverleibtwerden. So findet man, wie erwähnt, vollkommen übereinstimmende Schließen und Schmuckverzierungenin den Balkanländern wie in Galizien und im Kaukasus; so werden Halsgehänge mit Gußanhängselngleichartig aus Serbien, Bulgarien und Zypern bezeugt, tauchen die gleichen Ohrgehänge in Albanien undZypern auf und ähnliches mehr. Hier wie so vielfach haben wir es im Bereiche der Volkskunst eben nichtmit Einzelleistungen, sondern mit Serienarbeit zu tun, die aber darum von ihrem künstlerischenWert nichts verliert.

Männliches Schmuckwesen.

Werkstätten und volksmäßige Gruppen der Arbeiten.

Was der Schmuck der Frau, das sind dem Manne die Waffen; so begreift es sich,daß wir auf der Männerseite keinerlei Schmucksätze wie sie zur Aussteuer der Frauen in derFamilie gehören, antreffen; um so mehr Gewicht legt der Mann auf die Wehrhaftigkeit seinesÄußeren, zu dem auch hier eine ganze Reihe von Formen typisch sich zusammengefunden haben.Da ist der Säbel oder Handschar, dessen Scheide oft kunstvoll in Silber getrieben erscheint-wir werden uns hier allerdings nur mit einfacheren Messingblecharbeiten Dalmatiens und Bosnienszu befassen haben ferner werden die Pistolen und Gewehre in kunstvoller Treib- oderFiligranarbeit geziert. Auch hier sind aber die einfacheren Formen gravierter Gewehrschäftefür uns bemerkenswerter als die vom Kenner vor allem geschätzten, persönlichen Höchstleistungen.Die in der Literatur viel häufiger als für den Frauenschmuck vorfindlichen Angaben über berühmteWaffenwerkstätten und Erzeugungsorte bilden hier sehr wertvolle Hinweise und Belege fürVerbreitungswege und das Alter der Ziertechniken als solcher.

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In das Bereich landläufigen Schmuckhandwerks gehören die allerorten zahlreich verwendetenPatronentaschen, oft nur einfache gegossene Messingbüchsen( Dalmatien) in immer wieder-holter Musterung, manchmal aber auch kunstvoll ziselierte und gravierte( Süddalmatien) oder ausedlerem Metall getriebene Behälter, so besonders in Albanien( Taf. V, 6, 8; VI, 2, 5). MetalleneGuẞware, die auf ein bestimmtes altertümlich verbliebenes Gebiet, das adriatisch- illyrische Gebirgebeschränkt ist, sind schließlich die gebuckelten Gußknöpfe und-Platten, aus denen manBrustpanzer und Koller bildet; auf der Weiberseite Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberseite entspricht dem in Dalmatien das Auftretenvon zierlich gegossenen Schließenreihen; sie werden am besten beide im Rahmen der sonstigenGuẞarbeiten ihre Besprechung finden( Taf. IV, 14).

Versuchen wir nun zu einer Umschreibung der Werkstätten zu gelangen, in denen solcherleiArbeiten hergestellt werden, so ist unser Wissen diesbezüglich allerdings ziemlich lückenhaft.Der Volksschmuck der Balkanländer einfacherer Formgebung ist, wie anderwärts auseinander-gesetzt, allerorts Arbeit des Basarhandwerks, das von Ort zu Ort gegenseitige Beziehungen auf-weist, Arbeiter und Unternehmer austauscht u. s. w. Hervorragende Vertreter der Schmuckerzeugungwaren zu A. Boués Zeiten namentlich die Griechen und Zinzaren, die von ihm in größeren Städtendes türkischen Reiches als Filigranarbeiter gerühmt werden, namentlich im Pindos sollen sieHervorragendes geleistet haben( a. a. O., II., S. 49).

Die Filigranarbeiten Dalmatiens werden heute so ziemlich ausschließlich von Silberschmiedenserbokroatischer Zunge verfertigt, in Albanien sind es durchwegs katholische Nord-albaner, die hier, wie in der Metochie( Ipek, Prisren), in Priština und Mitrovica die Kunst zu

Haberlandt, Volkskunst der Balkanländer. 2

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