I. Der Volksschmuck und die Metallarbeiten.
Z
A. Der Volksschmuck.
1. Der gegenwärtige Besitz stand.
Stoff und Bearbeitung[ 4, 5, 9, 23, 24, 26].
u allererst treten wir an das Problem des Volksschmuckes heran, wobei zu bemerkenist, daß volksmäßige Unterschiede an ihm in so geringem Maße unterlaufen, daß es sich empfiehlt,zunächst einmal einen Überblick über seine gesamte Verbreitung und seine wichtigsten Typenohne volksmäßige Zuschreibung zu geben.
Der Schmuckbesitz der Balkanländer entfällt fast ausschließlich auf die Frauen und Mädchen,immerhin ist auch der Anteil der Männer an prunkvoller Zier nicht unbeträchtlich; da Unterschiedeweder in der gewerblichen Herstellung beider Gruppen, noch im Stilcharakter unterlaufen, werdenhier sämtliche Formen unter einem besprochen, um so mehr, als sie durchwegs metallischer Natursind. Unter den verwendeten Metallen spielen weitaus die größte Rolle das Silber und ihmähnliche Weißmetalle( meist Packfong oder alpakkaartige Legierungen). Reines Silber und Silber-legierungen kommen vorzugsweise in Blech- und Blätterform für Treibarbeit, Klapperschmuck( oft in Gestalt von Münzen) und Filigranarbeit in Verwendung.
In den Rand-( Küsten-) Gebieten der Halbinsel findet charakteristischer Weise in der RegelVergoldung statt, so im griechischen Insel- und Küstengebiet, in Zypern, Ägypten u. s. w. Fernerbesitzt Istrien, größtenteils auch Dalmatien, Goldschmuck. Skutari erzeugt für die städtischenBedürfnisse hauptsächlich Goldschmuck, eine letzte Überlieferung klassisch- antiker städtischer Vor-liebe für goldprunkende Geschmeide der Frauen. Dagegen findet man in Elbassan Silberschmuck,ebenso in Bosnien, der Herzegowina, wie überhaupt in den Binnenländern der Halbinsel. Ausall dem geht ziemlich deutlich hervor, daß die Vergoldung vorzugsweise in Gebieten höheren fremdenin erster Linie italienischen Kunsteinflusses sich entwickelt hat, wogegen die Landbevölkerung inden weitaus meisten Fällen am Silberschmuck festhält, der im östlichen Mittelmeergebiet, unbe-schadet der hohen klassisch- antiken Kunstentwicklung, seit alters weite Geltung besitzt, die sichim Wandel der Zeiten auch über das gesamte islamische Kunstgebiet erstreckt hat.
Eine sehr altartige Ausprägung künstlerischer Stoffbearbeitung stellt die Verwendung vonBronze und Messinglegierungen dar. Sie werden, da von recht verschiedener Zusammen-setzung bei Überwiegen eines bronzeartigen Grundcharakters, durchgängig nur als„ Gelbguẞ"-Arbeiten bezeichnet werden. Dieser Schmuck eignet vielfach ärmeren Gebietsteilen mit geringererLebenshaltung, so den Gebirgsteilen des inneren Montenegros, Bosniens und Serbiens. Ganz ver-einzelt kommt Messingdraht in Röllchen zur Auszier von Schmuckstücken in Verwendung( Dalmatien).Altartige Zierweise ist ferner der schmückende Besatz mit gegossenen oder gepreßten Zinn-nieten und Zinnstiften; er ist anscheinend auf das adriatische Küstengebiet beschränkt.
Als schmückende Einzelteile treten zum metallischen Körper der Schmuckstücke vielfachHalbedelsteine und falsche Steine, ferner Perlen hinzu, diese jedoch nur in Dalmatien,Nordalbanien( Skutari) und Griechenland. Sie werden hier wohl nach italienischen Vorbildern zumSchmuck an Ohrringen, aber auch an Gürtelschnallen verwendet. In Griechenland findet man dieAnbringung gravierter Perlmutterplatten auf Gürtelschnallen verbreitet. Die Perlen werdenmeist von Fischern an Ort und Stelle eingehandelt.
Korallen treten als ungemein reizvoll wirksamer Belag an Gürtelschnallen nur in Dalmatienauf, ebenso in Albanien( am Kopfputz der Frauen in Skutari). An Halbedelsteinen werden großeKarneole häufig an Gürteln und Schnallen in Süddalmatien, der Herzegowina, Montenegro undNordalbanien verwendet, selten Rauchtopas( Dalmatien). Im türkisch- mohammedanischen Glossar ::: zum Glossareintrag mohammedanischen Schmuckspielen, wie überhaupt im islamischen Kunstgebiet, Türkise eine nicht unbedeutende Rolle; auch
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