BRAUCH, FEST, SYMBOL
Die Percht das unbekannte Wesen im Widerscheinwissenschaftlicher Deutung
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien besitzt eine umfangreicheMaskensammlung: dunkle, fellverbrämte Holzlarven, phantastische Tiermasken mitt-winterlicher Maskenumzüge, Teufelsmasken in allen möglichen Varianten, bärtigeSchauspielmasken, glatte, liebliche Schemenmasken und groteske Faschingslarven- alle dicht aneinandergereiht in einer großen Vitrine. Allein diese Fülle und ihre an-tiquierte Präsentationsform üben einen besonderen Reiz aus. Ihr archaisches Aussehenzieht den Betrachter in ihren Bann, entrückt ihn in urzeitliche Ferne und in eine Weltdes Dämonischen. Der Anblick der Masken läßt den Besucher an Kult und Magie derPrimitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitiven denken.
Es sind das Vorstellungen, deren Ursprung in der Maskenforschung des 19. Jahr-hunderts zu suchen ist. Sie betrachtete das Maskenwesen zunächst als etwas über alleZeiten, Länder und Religionen hinweg Gültiges. Erst als man- angeregt durch dieMaskenkollektionen aus den Überseeländern- begann, heimische Masken zu sam-meln, wurde man gewahr, daß die Masken etwas Gewordenes darstellen. Bei nähererBetrachtung erkannte man, daß ihre Verwendung keinesfalls nur magischen Zweckendiente.
Die Maskensammlung im Österreichischen Museum für Volkskunde liefert dafürden Beweis. Wilhelm Hein, der zusammen mit Michael Haberlandt das Volkskundemu-seum in Wien begründete, konnte mit Unterstützung lokaler Heimatforscher in Salz-burg und in Tirol den Grundstock dieser Sammlung erwerben. Dank seinen genauenAufzeichnungen sind wir über die Herkunft und über den Gebrauch der Masken sehrgut informiert. Neben Masken der Mittwinterzeit, unter denen sich wertvolle Perchten-masken befinden, bilden die Schauspielmasken das Gros der Sammlung. Sie standenehemals beim Nikolausspiel in Mitterndorf, beim Paradeisspiel in Wildalpen oder beimHexenspiel in Krimml in Verwendung. Einen speziellen Typ stellen die bekrönten Lu-zifermasken dar, die ebenfalls spielhaftem Brauch ihre Existenz verdanken. Ein bevor-zugtes Interesse der Sammler galt weiters den Masken der Tiroler Fasnacht.
Neben wenigen Hüllmasken aus Fell oder Leinen, wie etwa der Gugel des Ausse-er Flinserlkostüms, handelt es sich bei den Masken im Österreichischen Museum fürVolkskunde ausschließlich um geschnitzte Holzlarven, deren Herkunftsgebiete sichmerkwürdigerweise auf den alpinen Bereich beschränken, was den irrigen Schluß
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