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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
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> 1994

EXKURS: PERCHTEN

Die Gestalt der Bercht und ihre Erscheinungsformen in Österreich

Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien besitzt eine sehr beachtlicheSammlung an alten Holzmasken. Zwei davon habe ich aus der Vitrine genommen undsie hierher auf Hohenwerfen mitgebracht. Eine sogenannte Schönperchtenmaske" ausGoldegg, von der im vorhergehenden Referat von Hans Schuhladen die Rede war. Hierist sie nun im Original! Laut Inventar stammt sie vom Laisserwirt in Goldegg und kam1927 über Vermittlung des bekannten Volksmusikforschers Georg Kotek ins Österrei-chische Museum für Volkskunde nach Wien.

Die zweite Maske, eine Perchtenmaske aus Rauris, trägt die Inventarnummer19 und zählt somit zu den ältesten Erwerbungen unseres Museums. Mit ihr stehen wiran der Wurzel des Wiener Volkskundemuseums und am Beginn der Maskenforschung.Und beides hängt wiederum eng mit Salzburg zusammen. Die kleine Teufelsmaskewurde nämlich von der bedeutenden Salzburger Volkskundlerin Marie Eysn für dasMuseum erworben.¹ Sie heiratete 1903 bekanntlich den Ethnographen Richard Andree,jenen Richard Andree, der 1886 eine erste Überschau über das Maskenwesen geliefertund damit das Interesse der heimischen Ethnographen auf diese Thematik gelenkt hat-te.² Jedenfalls erteilte der Leiter der anthropologisch- ethnographischen Abteilung amk. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien, Franz Heger, seinem jungen MitarbeiterWilhelm Hein den Auftrag, Vergleichsmaterial in den Alpenländern zu suchen. Heinhatte dabei großen Erfolg. Seine Ausbeute fiel nicht zuletzt deswegen so reich aus,weil er sich von lokalen Kennern, darunter auch von der eben genannten Marie Eysn,beraten und begleiten ließ.

Angeregt durch diese Beschäftigung mit heimischer Ethnographie begründeteWilhelm Hein zusammen mit seinem Kollegen an der anthropologischen Abteilung,mit Michael Haberlandt, 1894/95 das Zentralmuseum für österreichische Volkskunde.³

1 Böhm, Fritz: Marie Andree- Eysn. In: Zeitschrift für Volkskunde, N.F. 1, Jg. 39, 1929, S. 122; Ritz, JosephMaria( Hg.): Festschrift für Marie Andree- Eysn. Beiträge zur Volks- und Völkerkunde. München o. J.( 1927);Pallestrang, Kathrin: Marie Andree- Eysn. Sammlerin für die Volkskunde. Unveröffentlichte Arbeit im Öster-reichischen Museum für Volkskunde. Wien 1992.

2 Andree, Richard: Die Masken in der Völkerkunde. In: Archiv für Anthropologie, XVI, 1886, S. 477-506,1 Tafel.

3 Schmidt, Leopold: Das Österreichische Museum für Volkskunde. Werden und Wesen eines Wiener Museums(= Österreich- Reihe Bd. 98/100). Wien 1960, 118 Seiten, 51 Abbildungen.

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