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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
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GESELLSCHAFT, SOZIALES LEBEN

Rowisch und BurschenstockDie ländliche Burschenschaft in Österreich

Im Gefolge von Heinrich Schurtz' Publikation Altersklassen und Männerbünde( 1902) befaẞte man sich auch in Österreich mit der Erforschung des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums länd-licher Burschenschaften, mit dem Ziel, deren altgermanische Wurzel aufzudecken.Diese ideologisch vom NS- Gedankengut gefärbte Betrachtungsweise verhinderte einehistorische Bewertung. Studien der siebziger Jahre belegen indes, daß die Burschen-schaften eine spezifische Sozialform der dörflich- agrarischen Gesellschaft darstellen,der auch ihre soziokulturellen Verhaltensweisen entsprechen. Die verschiedenen Ritenund brauchtümlichen Handlungen dienen dazu, die männliche Vorrangstellung inner-halb dieses Systems zu fixieren.

Untersuchungen von Werner Galler( 1971) und Bertl Petrei( 1972) erbrachten inneuerer Zeit den erstaunlichen Befund, daß in der dörflichen Gesellschaft Ostöster-reichs die Burschenschaft nach wie vor eine wichtige Rolle spielt. Es ist offensichtlichkein Zufall, daß ihr Auftreten mit dem Gebiet der geschlossenen Dorfsiedlung zusam-menfällt, in dem, bedingt durch seine Randlage zu Mähren, der Slowakei und Ungarn,sich der ökonomische Aufschwung und die Urbanisierung langsamer durchsetzten,und der Anteil an der landwirtschaftlichen Bevölkerung nicht so rasch sank. Obwohlder Strukturwandel inzwischen natürlich auch die Dörfer im niederösterreichischenWeinviertel und im Burgenland voll erfaßte, zeigen die überkommenen Gesellschafts-ordnungen weiterhin erstaunliche Konstanz. Das Burschenschaftswesen bildet dabeiein charakteristisches Merkmal für die traditionelle Dorfgemeinschaft. Wie die Un-tersuchungen zeigen, weist das Burschenschaftswesen einen breiten Fächer verschie-dener Erscheinungsformen auf, die von einer weitgehenden intakten Verbandsformbis zu Restformen, aber auch zu Neuformungen reichen. Einzelerscheinungen wie dasStehlen, die termingebundenen Unruhnächte oder das Faschingsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Faschingsbrauchtum wurdenim Österreichischen Volkskundeatlas dargestellt. Aus diesen, ehemals einem geschlos-senen System zugehörenden Brauchrelikten erkennt man, daß das Burschenschafts-wesen noch zu Beginn unseres Jahrhunderts in Österreich und darüber hinaus in ganzEuropa ein allgemeines Phänomen bildete. Für Österreich lieferte Ernst Burgstaller( 1952, 1958) anhand der verschiedenen regionalen Bezeichnungen der Burschen-schaften eine Übersicht über die Verbreitung.

Vor allem war es aber Heinrich Schurtz, der die Bedeutung der Knaben- undMännerbünde für, primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive' Gesellschaften erkannte. Seine Untersuchung hatte eine

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