Druckschrift 
Eugenie Goldstern und ihre Stellung in der Ethnographie : Beiträge des Abschlusssymposions zur Ausstellung "Ur-Ethnographie. Auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur. Die Sammlung Eugenie Goldstern" ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 3. bis 5. Februar 2005
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

256

Christian F. Feest

ÖZV LIX/ 108

Die Eröffnung des neuen Hauses führte auch zur Systematisierungzweier neuer Kustodenstellen am Museum und zu einer allgemeinenVorrückung im Beamtenkörper: Haberlandt wurde so zum Kustos-adjunkt befördert, Hein als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt.Obwohl Haberlandt weiterhin so gut wie allein für die Neuinven-tarisierung verantwortlich war, begann er auch mit einer Reihe vonBesuchen in anderen europäischen ethnologischen Museen undSammlungen, wirkte 1890 an der Aufstellung der ethnographischenSammlung Graf Lanckoronski im Handelsmuseum mit und setzteseine schriftstellerische Tätigkeit fort, die in seiner 1892 erfolgtenHabilitation im Fach ,, allgemeine Ethnographie mündete. Danebenverfolgte er weiter indologische Interessen( z.B. Haberlandt 1893a)und veröffentlichte 1893 auch Die Diamantfee. Entwurf zu einemBallet in zwei Acten( Haberlandt 1893b), das seine anhaltenden mu-sischen Neigungen dokumentierte, die auch seine enge Freundschaftzum gleichaltrigen Musiker Hugo Wolf widerspiegelt( Haberlandt1903; Werner 1925; 1897 sollte Haberlandt den Hugo Wolf- Verein inWien gründen, dem er bis 1905 vorstand, und dem auch SzombathysMitarbeiter Moriz Hoernes aktiv angehörte).7

1892 trat schließlich Heins ehemaliger akademischer Lehrer Phi-lipp Paulitschke ,,, kaiserlicher Rath, Universitätsdocent und Gymna-sialprofessor"( Jahresbericht 1892, S. 15) als Volontär in den Dienstder anthropologisch- ethnographischen Abteilung ,,, als eines der Mit-tel," wie Wilhelm Hein( 1899, S. 71) vermutete ,,, die Universitäts-professur zu erreichen, und war dort bis zu seinem Tod im Alter von45 Jahren im Jahr 1899 in der Bibliothek tätig, ohne sein Ziel erreichtzu haben. Unabhängig von derartigen Volontariaten forderte HegerPersonal für Schreibarbeiten, um die Beamten für die, eigentlichenwissenschaftlichen Aufgaben freizumachen( Jahresbericht 1892,S. 31). Jedenfalls entlastete Paulitschke mit seiner Arbeit WilhelmHein, der sich neben der Gestaltung von Ausstellungen außer Haus( wie der Internationalen Musik- und Theaterausstellung) nun an derInventarisierung der afrikanischen Sammlungen beteiligte und damitwiederum Haberlandt entlastete, der sich seinerseits vermehrt um diewegen des rasanten Sammlungszuwachses laufend erforderlichenUmstellungen in der Schausammlung kümmerte, 1892 etwa nebender Inventarisierung von rund 1500 Objekten um die Um- und

7 Hoernes verfasste u.a. für Wolf das Libretto zu Manuel Venegas( Haberlandt1903, S. 45-46).