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Eugenie Goldstern und ihre Stellung in der Ethnographie : Beiträge des Abschlusssymposions zur Ausstellung "Ur-Ethnographie. Auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur. Die Sammlung Eugenie Goldstern" ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 3. bis 5. Februar 2005
Entstehung
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Klaus Beitl

ÖZV LIX/ 108

näre und theoretische Rekonstruktion bleibt ausgeschlossen; und3. sie erfährt gewisse ,, Verunreinigungen( contaminations) durchjeweils jüngere Kultureinflüsse, die beispielsweise von aristokrati-schen Moden, bürgerlichen Einflüssen oder vom Industrialisierungs-prozess herrühren.15 Solche Kontaminationen bewirken jedocheben mangels intellektueller Elaboration keine kulturelle Ver-schmelzung der Erscheinungen; vielmehr handelt es sich um eineAnhäufung oder um ein Nebeneinanderbestehen( juxtaposition) ver-schiedener Elemente, in welcher Zusammensetzung eine relativeReinheit sehr alter kultureller Züge bewahrt bleibt. Als Prähistorikerspürt Varagnac Kulturerscheinungen nach, die bisweilen bin ins Neo-lithikum zurückreichen mögen.

In einem Aufsatz aus späteren Jahren, 1970/71 in der ZeitschriftEthnologia Europaea unter dem Titel ,, Archéocivilisation de la mai-son erschienen, exemplifiziert Varagnac diese Anschauungsweise.16Er bezieht sich eingangs auf den Anthropogeographen Albert Deman-geon und seine 193717 erstmals entwickelte Klassifikation der ländli-chen Haustypen in Frankreich gemäß den bekannten fünf Grundfor-men: maison élémentaire( einzelliges Haus), maison- bloc à terre( horizontal gegliedertes ebenerdiges Einhaus), maison- bloc en hau-teur( vertikal gegliedertes Stockwerk- Einhaus), maison à cour fer-mée( geschlossene Hofanlage) und maison à cour ouverte( offeneHofanlage). Ein jeder Grundtypus umfasst zahlreiche Varianten, diein ihrer Gesamtheit eine außerordentliche Vielfalt an Hausformenergeben. Sie sind Zeugen dafür, in welch großem Ausmaß das Landim Laufe der Protohistorie und in geschichtlicher Zeit diesbezüglichkulturelle Einflüsse erfahren hat. Frankreich stellt in dieser Hinsicht,ungeachtet der zentralisierenden Einflüsse der Administration, einmosaïque anthropologique dar. Das traditionelle Haus wird als ano-nyme Meisterleistung betrachtet, welche ohne Architekt vom Bauernselbst oder vielmehr gemeinschaftlich vom ganzen Dorf erbrachtwurde. Als alle Zeiten überdauernde Elemente des traditionellenländlichen Hauses werden in Betracht gezogen: die in die Erdeversenkten Grubenhäuser, die als Typus der mesolithischen Hütte-

15 Varagnac( wie Anm. 13), S. 22-23.

16 Jahrgang IV/ 1970. Arnheim 1971, S. 159–162.

17 In: Catalogue- Guide de l'Exposition internationale de 1937. 1. Groupe I, ClasseIII, Musées et Exposition, Section III, édité par, L'Armour de l'Art. Paris:Éditions Denoël,( 1937), 22 Seiten, Ill.