_ Der heilige Abend in der Fabrik ed
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Von Helene Grünn, Linz
Der heilige Abend, Höhepunkt des Weihnachtsfestkreises, wird auch inder Gegenwart als das höchste Jahresfest gefeiert. Noch vor etwa hundertJahren wurde er in frommer Gesinnung mit dem Aufstellen einer Krippe, mitSingen und Beten und der Feier der Weihnachtsmesse festlich begangen ¹).Die heute so wichtige Bescherung war von geringer Bedeutung, die einfachenGaben bestanden aus Früchten, Mehlspeisen, Zuckerwerk, mit einigen wenigennützlichen Dingen.sed
Die Weihnachtskrippe wurde schließlich vom Christbaum, von einem mitNäschereien, Flitterwerk und Lichtern besteckten Nadelbaum verdrängt. Die-ser fand zunächst Aufnahme in der Stadt 2). Das erste Mal hören wir in Wien1816 vom Christbaum bei einer aus Norddeutschland gekommenen FamilieArnstein. Um 1830 findet sich der Christbaum schon in mehreren adeligenFamilien. Die katholische Bevölkerung blieb noch länger abweisend, jedoch1860 setzte sich dieser Baumbrauch in Wien weitgehend durch. Der Christ-kindlmarkt bekam ein völlig anderes Gesicht, er gleicht seither einem„ ver-schneiten Wald" 3). Allmählich begann der Christbaum, auch auf dem Landein dieser Form Anklang zu finden*).
Dort war der Zweig- und Baumsegen in verschiedener Form im Volks-glauben tief verwurzelt und damit konnte sich der Christbaum, etwa als ge-schmückte Fichten- und Tannenäste, als Baumwipfel von der Decke herab-hängend, als Tannenbuschen, die über der Türe, am Zauntor, dem Fenster,oder im Herrgottswinkel, auch mitten im Hof stehend, mit und ohne buntenSchmuck bis zum Christbaum unserer Tage, der vom Christkind gebrachtwird, allmählich entwickeln). Im Zusammenhang damit wurde die Besche-rung Mittelpunkt des weihnachtlichen Familienfestes in Stadt und Land 5).
In letzter Zeit weitete sich dieses Weihnachtsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Weihnachtsbrauchtum weiter aus. VieleGemeinschaften und Vereine fühlten sich verpflichtet, ein Weihnachtsfest inihrer Gemeinschaft zu feiern. Caritative und Sozialeinrichtungen, Kinder-gärten, Heime, Schulen, Internate und Dienststellen feiern ein Fest mit Musik,Christbaum und Bescherung.
Die Geschäftswelt nahm sich des Symboles des Weihnachtsfestes an, setztChristbäume in die Auslagen, auf die Dächer und spielt in der Vorweihnachts-zeit lautstark alte Lieder, läßt Christkind oder Weihnachtsmann in den Waren-häusern auftreten und droht, das Fest der stillsten Zeit im Jahr" zu ent-würdigen.
Moderne Zeiten und Menschen entwickeln neue Brauchformen. Es ent-stand das schöne„ Salzburger Adventsingen" mit altem Lied- und Spielgut,
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