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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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zählt das tägliche Gebet um die Hilfe in all den Nöten, welche hundertfachauf ihn in seiner Einsamkeit hereinzustürzen vermögen. Kirche und Gottes-dienst liegen für ihn ja oft weitab. Das Gebet schien uns oft so stark und in-brünstig gesprochen und in einem Glauben, als könnte man mit ihm Bergeversetzen! In den katholischen Gebieten werden auch die Heiligen häufig zuHilfe gerufen. Es ist hier nicht der Raum, auf sie einzugehen. In den katho-lischen Kirchen und Kapellen fallen auch die vielen Votivbilder auf. Besondersviele begegneten uns in Asambugu bei Brusque und auf dem Kreuzberg vonNova Trento. Unter den Heils- und Abwehrkräften, welche den Katholiken zurVerfügung stehen, sind auch die vielen Glocken zu nennen. Doch auch das Besprechen" spielt heute noch eine nicht geringe Rolle. Ich zeichnete einigeFormeln auf 11).emit

Unter den Lebensbräuchen nannte Koren 12) den Totenbrauch als jenenBereich des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums, der sich am längsten hält. Da ich hier dasselbe beob-achtete, nenne auch ich es an erster Stelle und kann meine Bemerkungenzu diesem Thema im letzten Kapitel ergänzen. Solange der Tote in der Salaaufgebahrt liegt, brennen Kerzen vor dem aufgestellten Sterbekreuz, das injedem Haus vorhanden ist, und die Besucher verrichten vor ihm und vor demVerstorbenen leise murmelnd Gebete. Da die Bestattung aus früher erwähn-ten Gründen rasch erfolgen muß, nehmen nicht an allen Bestattungen Geist-liche teil. In vielen Fällen führt der Kapellenvorstand oder der Küster denKondukt an. Er spricht die Gebete an der Grube. Bei Mennoniten wird derSargdeckel vor dem Grabe nochmals abgenommen, oder das Gesicht des Totenvon den ihn einhüllenden Tüchern befreit. Darauf betet man nun vor demToten und zwei Laienprediger halten über ihn Gericht". Wie man mir berich-tete, sei es öfters schon vorgekommen, daß ein Prediger nur gesagt habe:,, N. N. hat gelebt, wie er es nicht sollte. Wolle ihm Gott gnädig sein." Nachdem Begräbnis wird die Sala vielerorts ausgekehrt, die Stühle werden um-gekippt ,,, auf daß der Tote nicht wiederkehre". Aus dem gleichen Grunde läßtman sich die Haare wachsen, auf daß der Tote den Lebenden nicht erkenne.Bei den Pommern im Hügelland von Pelotas ist es noch vielfach üblich, daßdem Toten bei der Aufbahrung im Hause die Füße zusammengebunden wer-den, auf daß er nicht Gehen" bzw. wiederkehren" könne. Erst nach derTotenfeier werden ihm die Schuhe aufgebunden. Ab dann sei er nämlichöffentlich tot gesprochen". Gar nicht selten werden den toten Kolonisten auchihre Schmucksachen, dem Manne vor allem die Uhr, mit ins Grab gegeben.Die Sterbenden würden sogar darum bitten. Nicht selten komme es auch inEspirito Santo vor, daß man dem Toten eigens einen neuen Anzug und einneues Kleid anmesse und mitgebe. Bei den Katholiken stiften die Verwandtenund Bekannten viele Seelenmessen. Die Ehefrauen tragen beim Tode ihresMannes 13 Monate das Leid", das heißt, sie tragen schwarze Kleidung zu-mindest an den Feiertagen.

Der Gräberbesuch ist ein häufiger. Die Zier der Gräber ist jedoch not-wendigerweise schlicht. Blumen gedeihen in diesem Klima schlecht, so daßvielfach Kunstblumen die Grabeszier bilden. Die Friedhöfe sind sauber gehal-ten. Ich staunte immer wieder darüber und über die vielen deutschsprachigenInschriften mit gotischen Zügen. Stets aber lagen Katholiken und Protestan-ten in zwei Bereichen sichtbar voneinander getrennt. Die glaubensmäßige

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