in Brasilien und Peru
Von Karl Ilg, Innsbruck
Wie mich seinerzeit das Schicksal der Menschen unseres Volkes an denoberen Grenzen der Ökumene beschäftigte und zur Darstellung der„ Walserin Vorarlberg" 1) führte, so ließ mich später das Schicksal der Menschen unse-res Volkes an den Grenzen immer wieder auch zu diesen aufbrechen, angefan-gen von„ Südtirol" und den„ Vier, Sieben und Dreizehn Gemeinden" über die,, Inseln" im Südosten, bis ich mich endlich eines Tages in den Weiten Süd-amerikas befand und unseren Siedlungen auf dem„ Camp", im Urwald undin den Bergen Brasiliens nachritt und in gleicher Absicht die Anden Perusdie Pässe waren allein schon 5000 m hoch überschritt.
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Es ging mir dabei um die Erarbeitung einer„ Volkskunde" 2) dieser überzwei Millionen Deutschen und schlußendlich- obwohl zunächst nicht beab-sichtigt auch um eine Organisierung von Hilfen, vor allem Bildungshilfenan diese leider häufig in jedem Entwicklungsprogramm vergessenen und auchnicht, oder wenn, dann erst in der zweiten Etappe ihrer Siedlungsgeschichte,,, Kolonisten".
Um letzteres durchzuführen, dürfte allemalen der Beweis angefordert wer-den, daß es sich bei diesen Menschen wirklich noch um Deutsche handelt, wo-für neben den volkstümlichen Erscheinungsformen der Siedlungsweise, derBau- und Wohnformen, der Nahrungsvolkskunde usw. die Aufnahme und Dar-stellung von Sitte und Brauch eine besonders wichtige Rolle spielen dürfte.In ihnen zeigen sich nämlich Volksgruppen häufig in besonders eindringlicherForm. Bei meiner Aufnahme staunte ich zuweilen selbst über die Erhaltungund den Fortbestand zweifellos deutscher Brauchtumsformen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsformen trotz völligandersartiger Umstände. Ich mußte sie gleichzeitig auch immer wieder alsuntrügliche Stützen zum Fortbestand dieser Gruppen erkennen und ver-stehen.
Bei der Darstellung darf ich Sitte und Brauch getrennt vorführen, nach-dem ich es seit langem gerechtfertigt und für die Anwendung vorteilhaft halte,die beiden Erscheinungen nicht als Synonyma zu begreifen ³).
Die Sitte der Kolonisten
Die Sitte bezeichnete ich vielmehr als ein Regulativ im Verkehr der Men-schen untereinander 4). Einordnung in die überlieferten Gepflogenheiten, Richt-linien und Verbindlichkeiten hebt auch unsere Kolonisten als besondere Ge-meinschaft hervor und macht sie deutlich.
Zu dieser Gemeinschaft veranlaßte sie sicherlich in erster Linie undzwangsmäßig ihre Schicksalsgemeinschaft. Denn als„ Deutsche" waren sie ja
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