Nachrichten über Schwert-, Reif- und Steckentänze
in Niederösterreich
enteromsbb( Mit 1 Karte im Text)
Von Otto G. Schindler, Wien
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Die einzige Nachricht über Schwerttanz- Aufführungen in Niederösterreich,die bis zum Erscheinen der beiden bis heute grundlegend gebliebenen Schwert-tanz- Monographien von Kurt Meschke ¹) und Richard Wolfram ²) in das volks-kundliche oder germanistische Schrifttum eingegangen war und in den genann-ten Arbeiten verwertet werden konnte, bestand in dem dreizehnzeiligen BerichtEugen Frischaufs über„ Schwerttanz und Wettlauf" in der Badener Gegend ³)- ein Bericht, der übrigens- wie noch zu zeigen sein wird bei näheremZusehen einige Unstimmigkeiten aufweist und dadurch ziemlich an Authenti-zität verliert. Erst Leopold Schmidt hat in seiner Abhandlung über„ DasSchauspielwesen in Niederösterreich im 16. Jahrhundert"") auch die in einigenälteren lokalhistorischen Darstellungen erwähnten Schwert- und Reiftanz-Aufführungen verzeichnet und in der Folge die neu hinzugekommenen Belegelaufend nachgetragen 5).
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Mit einigen von mir aufgefundenen Zeugnissen aus dem Viertel unter demWienerwald, auf die ich an anderer Stelle bereits kurz hingewiesen habe 6), istdie Zahl der niederösterreichischen Nachrichten über brauchtümliche Figuren-tänze auf immerhin rund zwanzig Einzelbelege angewachsen. Zusammen mitder zeitlichen Streuung der Belege über drei volle Jahrhunderte( Anfang 16. bisEnde 18. Jahrhundert; den von Ilka Peter 1952 aufgezeichneten Schwerttanzvon Groß- Pertholz im Waldviertel, der direkt aus dem böhmischen Grenz-bezirk Kaplitz übertragen wurde 7), jetzt nicht eingerechnet) sowie dem Vor-kommen der Tänze in allen ihren drei wichtigsten Erscheinungsformen( Schwert-, Reif- und Steckentanz) und auf beiden Brauchtumsebenen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsebenen( derstädtischen und der bäuerlichen) macht es diese Zahl doch sehr wahrschein-lich, daß die Figurentänze auch in Niederösterreich einstens ein ziemlich festverwurzeltes Element innerhalb der Brauchtumskomplexe Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumskomplexe der Winter- Fest-zeiten dargestellt hatten.
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Der Informationsgehalt dieser Tanz- Belege ist freilich meist nur sehrgering; es geht aus ihnen vielfach nicht viel mehr hervor als eben nur die Tat-sache der Aufführung selbst bzw. des Aufführungs- Ansuchens, wohl auchein sehr wesentlicher Punkt- der Aufführungstermin sowie allenfalls einigeweitere Begleitumstände, so gut wie nichts aber hinsichtlich der eigentlichenForm der Tänze und der mit ihnen wohl stets verknüpften mimisch- deklama-torischen Spiele. Ein Grund mehr, diese Zeugnisse nochmals gesammelt und
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