wirksam, zu Weihnachten mit eindrucksvollen Christspielen, und 1595 errich-teten sie dabei auch eine Krippe. Aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg,1666, hören wir erneut von einer solchen Aufstellung, und zwar einer barockenSchaukrippe mit bunten lebensgroßen Figuren, die auf lebhaftes Interesse imVolk stieß, auch bei Nichtkatholiken. Das weitere Vordringen ins Gebirgenach Norden bezeugen 1672 Weihnachtsfeiern mit figurenbestückten Krippenin Sonnenberg, Brandau und Oberndorf. Weitere Jesuitenkrippen lassen sich1717 in Maria Schein, 1736 in Graupen und 1739 in Saaz nachweisen, 1779 liegtauch ein erster Beleg für Joachimsthal vor 20), und es ist sicher, daß sichim Erzgebirge der Brauch der Krippenaufstellung mit der Tradition berg-männischer Weihnachtsschnitzerei und-bastelei verbunden hat, auch imevangelisch- lutherischen Bereich, fraglos unter Anknüpfung an schon vor-handene Überlieferungen, die sich hier aus der vorreformatorischen Zeit er-halten hatten. Das sächsische Erzgebirge ist auf die Weise zu einer protestan-tischen Krippenlandschaft von Rang geworden, und an ihrer Ausgestaltunghaben sicher derartige Einflüsse aus Böhmen mitgewirkt, gleichviel, wie mansie zeitlich auch immer ansetzt und zu präzisieren sucht 21).
Es muß hier angemerkt werden, daß die Durchlässigkeit der Grenzefür solche Überformungen keineswegs überall und jederzeit vorhanden war.Es lassen sich auch Stellen ermitteln, wo die Barriere nicht ohne weiteresüberschritten worden ist, aus welchen Gründen auch immer. Im östlichenErzgebirge, im Raum Zinnwald- Georgenfeld, war zum Beispiel die Situationum 1930 so, daß auf der sächsischen Seite das Aufstellen von Weihnachts-krippen„ nur in wenigen katholischen Haushaltungen" festgestellt werdenkonnte, während jenseits der Grenze fast in jedem Haus eine mehr oderweniger reichhaltige Krippe zu finden" war 22). An dieser Stelle hat die da-malige Reichsgrenze als Konfessionsgrenze trotz aller Verbindungen sper-rend gewirkt, aber keineswegs in jedem Abschnitt. Und es gibt auch gegen-läufige Vorgänge von Norden nach Süden. Man muß mit einem Vordringenda und einem Zurückgehen dort, mit einem Wechselspiel der Kräfte als Dauer-prozeß rechnen, wie die Ergebnisse der 1936 vom Sächsischen her durch-geführten Bestandsaufnahme zeigen:„ Manches in den WeihnachtsbräuchenZinnwald- Georgenfelds deutet auf die Herkunft der Bewohner aus Böhmenhin. Hierzu gehören zunächst einmal die Gestalten des Nikolaus mit demgehörnten Krampus, die mit Ketten rasselnd in die Häuser gehen, währendsie weiter westwärts, in Schellerhau, Schönfeld, Hermsdorf und Rehefeld,schon nicht mehr zu finden sind. Heute verliert sich der Brauch auf dersächsischen Seite fast völlig, während er im Böhmischen noch fleißig imSchwange ist. Man spürt hier deutlich, daß dieser Brauch aus Böhmen mit-gebracht worden ist, heute aber durch die mannigfachen Adventsbräuche,die von Sachsen her eindringen, verdrängt wird, während man wenige Minutenvon hier über der Reichsgrenze keinerlei Adventszeichen kennt. Bemerkt sei,daß selbst der Christbaum im Böhmischen erst vor ganz kurzer Zeit ein-gebürgert ist" 23).
Im protestantischen Erzgebirge ist auch die Verwendung des Weihrauchs,der im Kultus der katholischen Kirche verankert ist, auf dem Weg derBeheimatung im säkularen Bereich des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums um das Christfest neubelebt worden- wann und wie, ist im einzelnen nicht auszumachen, schwer-
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