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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
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beim Meßopfer gehabt habe. Da taucht Jesus, der blutende Schmerzens-mann, aus der Grabkufe vor seinen Augen auf und der Auftritt wird inaller Realistik dann oft so weiter geführt, daß die abgehärmte Gestalt vorseinen Meẞkelch tritt und aus allen fünf Hauptwunden Blutstrahlen in dasGefäß springen läßt. Der Kern des Auftrittes ist die überwältigende underschütternde Macht des Erlöserblutes, gleichgültig ob nun das Erlebnis inder Zurückgezogenheit erfolgt oder in Anwesenheit eines großen Gefolgeskirchlicher Würdenträger vor sich geht wie auf dem Bilde des Bernt Notkein der Marienkirche zu Lübeck 119). Der Altar ist gewöhnlich mit den Wieder-gaben der Passionswerkzeuge behängt, darunter befindet sich auch dasSchweißtuch der Veronika. Auch auf dem Lübecker- Bilde ist es zu sehen,nach byzantinischer Vorlage maskenhaft vereinfacht. Dieses Gemälde warwahrscheinlich als Epitaph für die Kapelle der Familie der Greveradegedacht, deren Wappen auf der Kasel des vorn links knieenden Geistlichenund auf dem Rahmen festgehalten ist; auch dieses Bild sollte somit demTotengedenken dienen. Seine Entstehungszeit fällt in die Jahre zwischen1480 und 1504.

Die Zahl der Darstellungen der Gregor- Messe ist in ihrer Mannigfaltig-keit kaum zu übersehen, so beliebt war dieser Vorwurf. Besonders die Ein-blatt- Drucke des 15. Jahrhunderts legen davon beredtes Zeugnis ab 120).

Die arma Christi, ons heren wapenen", mit dem Passions- Schweißtuchezusammen in den frühen Holzschnitten wiedergegeben, finden eine denkmal-mäßige Darstellung an einer freistehenden Holzsäule( nach 1500 entstanden)in einer Kapelle des Braunschweiger Domes 121). Die Säule endet oben miteinem großen Vogel, einem Hahne, und ist bedeckt mit den aus dem Holzein Hochrelief herausgeschnitzten Passionswerkzeugen. Auf einem Untersatzestehend, entfaltet sogar Veronika selbst das Schweißtuch mit einem AntlitzeJesu, das fünfmal so groß als ihres ist.

Die fünf Wunden", ein Gegenstand der frühen Graphik, kommengelegentlich auch auf Hinterglasbildern zur Darstellung. Eigenartig ist ihreWiedergabe auf einem sehr volkstümlichen slowakischen Hinterglasbilde 122).Ein leeres Kreuz steht in einem riesigen Becher. Im Kreise herum, in derLuft schwebend, sind die Arme und Füße Jesu verteilt und an dem Kreuzes-stamm ist sein von Dornen umflochtenes Herz geheftet. Alles aber wird zurSeite gedrängt durch das mächtige Heilandshaupt des Schweißtuches amKreuzende. Auch dieses scheint hier Blut zu spenden, das zusammen mit demaus den anderen Wundmalen in den großen Kelch rinnt. Mit diesem Bildesind wir bei der Volkskunst angelangt.

Volkskunst

Übergänge zur Volkskunst werden am Ausgange des Mittelalters durchdas gepflegte Handwerk gelegt. Wir greifen ein Beispiel heraus, das ausder volkstümlichen Töpferei stammt. Um 1500 wird die Grabenfront des

119) Auf Eichenholz gemalt, 250 X 357 cm. Es verbrannte bei einem englischenFliegerangriff am 28./29. März 1942. Abgeb. bei W. Paatz, Bernt Notke, Wien 1944,Abb. 100.

120) Schreiber, Handbuch der Holzschnitte, Nr. 1456, das Schweißtuch mit demhl. Antlitz hängt an der Vorderwand der Grabkufe herab, bei Nr. 1465 an derVorderseite des Altares.

121) O. Doering, Braunschweig, Leipzig 1905, Abb. 73.

122) K. Šourek, Kunst in der Slovakei, Melantrich 1939, Nr. 1178, Hinterglasbildum 1800, Nat. Mus. Turz.

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