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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
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Brokatkissen und hält mit der rechten Hand einen kleinen Krug. Überseinem Kopfe sagt ein hufeisenförmiges Spruchband:

Ich habe dz krügel in min hãt

gluck heil üuch gesãt.

Eine weibliche Gestalt fängt das aus der Seitenwunde Jesu strömende

Blut auf

Ihre Aufgabe ist es, den neuen Heilstrank der mit Jesu verbundenenMahlgemeinschaft mitzuteilen. Sie heißt Ecclesia und trägt die Kreuzfahne,die Standarte der christlichen Gemeinde.

Bild einer Handschrift des Hohen Liedes, Reichenauer Arbeit 78) des10. Jhdts. Dieses Bild drückt in einer Art Vision den Sinn des eucharistischenMahles am deutlichsten aus. Am Kreuze hängt Jesus in langer Tunika. Ausder Seitenwunde strömt das Blut. Ecclesia hat es in einem großen, breitenBecher aufgefangen und eilt damit zu den auf einem gewundenen Wolken-bande in langer Kette Emporsteigenden, die unten die Taufe empfangen undnach dem Heilstranke im Becher Verlangen tragen.

In den Bildwerken, vorzüglich den Elfenbeinschnitzereien auf Buch-deckeln und den Miniaturen vom 9. bis ins 13. Jahrhundert, sehen wir beiden Kreuzigungsbildern Ecclesia zum Kreuze herantreten und das aus derSeitenwunde( in der rechten Brust oder Achsel) hervorquellende Blut ineinem Kelche auffangen. Vorausgegangen ist der Lanzenstich des Lon-ginus 74). Gegenspielerin der Ecclesia ist auf der anderen Seite die Synagoge,die betrübt erkennt, daß ihre Aufgabe zu Ende gegangen ist. Auf die weitereAnordnung der Gestalten bei der Kreuzigungsszene kommt es hier nicht an.Deren Zahl kann jeweils anschwellen ,, dann wieder auf Maria und Johannesbeschränkt werden.

Gelegentlich wird das Erlöserblut auch unmittelbar über-mittelt. Das vom Kreuze herabrinnende Blut Jesu ist in das Grab Adamsam Fuße des Kreuzes eingedrungen und hat das Gestein gesprengt. Adamist aus dem Grabe erstanden und fängt als erster der Menschen den neuenHeilstrank in einem Kelche auf. Als Beleg hiefür diene die Kreuzigungs-gruppe in Wechselburg 75), aus Holz geschnitzt, 13. Jhdt. sal

Späterhin sind es Engel, die das Blut Christi aus den vier Wund-stellen in Kelchen auffangen. Zu dieser Darstellung leitet ein Blattdes Breviariums der hl. Elisabeth in Cividale( 13. Jhdt.) hinüber, wo zweiEngel fast senkrecht hinabfliegen und in Gefäßen das Blut des Herrn sam-meln. Von den Kreuzigungsdarstellungen Giottos, von 1300 an, setzt sich dieLeitgruppe der das Blut in Kelchen bergenden Engel durch und reicht überdie Gotik hinaus bis in die Werke der Volkskunst 76).

Das Kreuz, an das der Heiland geheftet ist, erhält schon im Hinblickeauf Adams Schädel an dessen Fuße die Bedeutung eines Baumes, des neuen

73) H. Swarzenski, Vorgotische Miniaturen, Langewiesche 1931, S. 30.

74) Im 15. Jhdt. finden wir in Bildern bestimmter Kunstkreise zwei Berittene,den blinden Longinus und seinen Knappen, von denen der Lanzenstich so vorgenom-men wird, daß die Lanze des Blinden von seinem Helfer nach dem Ziele gelenktwird. Näher kann hierauf an diesem Orte nicht eingegangen werden.

75) Künstle, Ikonographie d. christl. Kunst, Bd. I, S. 460, Abb. 237.76) Spieß, Bauernkunst, 1943, S. 394, Abb. 172.

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