Der Heiland ist der vom Erlöserblute, vom neuen Lebenstranke Erfüllte,das ist die tragende Idee der im Folgenden vorgeführten und mit einanderverflochtenen Leitgestalten. Wir sehen, wie zwar die Ausführung und dieAnordnung im Verlaufe der Zeit wechselt, wie aber die Grundvorstellungdieselbe bleibt. Daher können wir auch Denkmäler verschiedener Zeiten,aber gleichen Gehaltes neben einander stellen. In die theologische Literatur,welche die jeweiligen Gedankenkreise wiederspiegelt, ist jederzeit, aberniemals recht greifbar, auch etwas von volkstümlicher Überlieferung ein-gesickert.
Jesus spendet selbst und unmittelbar den neuen Heilstrank für die mit ihmVerbundenen
Byzantinische Goldemailplatte, 9. Jhdt., Reiche Kapelle zu München 70).Aus der Brustwunde des Gekreuzigten spritzt Blut im Bogen hervor, das ineinem darunter stehenden Doppelhenkelgefäße( Kantharos) gesammelt wird.Vier Engel bewegen sich oberhalb des Kreuzes, unten stehen links zweitrauernde Marien, rechts Johannes und der bekehrte Hauptmann. Im Hügel,auf dem das Kreuz aufgerichtet, ist der Schädel Adams zu sehen; unterhalbdes Kreuzes sind drei Soldaten mit dem ungenähten Rocke des Herrnbeschäftigt.
Einfacher ist das gemalte Kreuzigungsbild in einem Evangelienbuche 70a)des 9. Jahrhunderts. Jesus hängt an einem breiten Kreuze, an dem nurMaria und Josef stehen. Sein Blut strömt nur aus den Hand- und Fuß-wunden, die große Seitenwunde fehlt. Während das Blut aus den Händenverrinnt, sammelt sich das aus den Füßen in einem darunter stehendenDoppelhenkelgefäße.
Holzschnitt um 1430, Ablaßbrief, aus der Sammlung Weigel 71).
Jesus, der Schmerzensmann mit der Dornenkrone, aus vielen Wundenblutend, steht, umgeben von den Passionswerkzeugen, vor dem Kreuze undläßt das aus der Seitenwunde hervorquellende Blut in einen Kelch rinnen,den er mit der rechten Hand hält.. Mit der linken Hand weist er mit bedeu-tungsvollem Blicke nach dem Gefäße.
Der Schmerzensmann aus Dürers Kupferstich- Passion( B 3, 1509). Deraus den Banden befreite Schmerzensmann steht vor der mit Stricken um-wundenen Säule. Er hält Rute und Geißel an sich gedrückt. Aus der Brust-wunde spritzt das Blut zwei Andächtigen, einer Frau und einem Manne, ent-gegen. Durch ein großes Bogenfenster blickt man auf Golgatha mit den dreileeren Kreuzen.
Das Jesuskind mit dem Krüglein, bemalter Holzschnitt um 1460-80,vielleicht aus Regensburg 72), Schreiber 826. Die Sendung kündigt sich schonin der Kindheit an. Das Jesuskind mit dem Kreuznimbus sitzt auf einem
70) Gute Wiedergabe in: G. Lehnert, Illustr. Gesch. d. Kunstgew., 1. Bd., Farb-tafel bei S. 184.
70a) Otfrid von Weissenburg im Elsaß, Wien, Nat. Bibl. Cod. 2687( theol. 345),um 868, fol. 153 v. A. Goldschmidt, die Deutsche Buchmalerei I, Tf. 62.71) Spieß, Marksteine der Volkskunst, 1. Bd., Tf. 28.
72) Abgebildet bei Henri Bouchot, Les deux cents incunabels xylographiques.du Départ. des Estampes, Paris 1903, Tf. 81, Nr. 150.
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