liche Bewegung verfügt über die besten Künstler und eine neue Kunst istherangewachsen, die von der illusionistischen Darstellung abrückt, die durchdie Ausdruckskraft der Linie bei Zurückstellung der zufälligen Einzelheiten,durch das Ornamentale mit den Sinnzeichen der Ewigkeit gekennzeichnetist. Die Mosaikkunst liefert einen Schmuckmantel für den Innenraum derheiligen Stätten, bei dem Zierkunst und Bildkunst zu einem untrennbarenGanzen verwoben sind, und damit wird das christliche Programm dem Gläu-bigen in einer künstlerischen Größe vor Augen geführt, die in dieser Ge-schlossenheit nie mehr erreicht worden ist. Das Innere der Grabkirche derGalla Placidia und der Kirche von San Vitale in Ravenna sind Beispieledafür.
Nun wird Jesus Christus immer wieder dargestelt, aber ein einheit-licher Typ ist nicht vorhanden. Deutlich hebt sich in der frühen Zeit einhellenistischer Typ von einem orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen ab. Der erste ist vertretendurch den lehrenden bartlosen Jesus in der Toga. Einem antiken Rhetorgleich, an Sarkophagen, in Goldgläsern bartlos, mit langen Locken, undselbst als Pantokrator, als Weltenherrscher, ist er im Mosaik von S. Vitalebartlos, gelockt. Nach dem orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Typ wird Christus mit dunklerHautfarbe und mit Bart dargestellt, aber auch da gibt es Verschiedenheiten.Während es in Konstantinopel Sitte ist, Christus mit blondem Barte wieder-zugeben, malt man diesen in Jerusalem schwarz ³)
Das Verlangen nach einem Abbilde des Wahren Antlitzes Jesu tritt erstim 6. Jahrhunderte auf und findet im kappadokisch- syrischen Gebiete seineErfüllung. Das Bild mußte zur Zeit, da Jesus noch auf Erden wandelte, aufwunderbare Art entstanden und mit wunderbaren Kräften begabt sein. EineAnknüpfung an die berühmten antiken Götterbilder, die vom Himmelherabgekommen waren( diipetai), wie das trojische Palladion, die ArtemisTauropolos, die Artemis von Ephesos und andere, war unmöglich 4). Daschristliche Bild, das Wahre Antlitz Jesu, ist dadurch gekennzeichnet, daß esnicht von Menschenhand gefertigt ist( acheiropoiete). Aus dem genanntenGebiete sind zwei Bilder dieser Art bekannt geworden, und zwar deshalb,weil sie wegen ihrer wunderbaren Entstehung und Kraftwirkung den Wegin die Reichshauptstadt Konstantinopel fanden und daselbst in das Schrift-tum eingegangen sind. Das ältere ist das Bild von Kamulia, das jüngere dasAbgar- Bild.
Das Bild von Kamulia
Von dem Bilde von Kamulia( Kamuliana), einer kappadokischen An-siedlung nordwestlich von der Hauptstadt Kaisareia- Mazaka, gibt es zweiLegenden 5). Die ältere berichtet, daß eine heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag heidnische Frau namens Hypatia,die an Christus nur glauben kann, wenn sie ihn sieht, im Quellbecken ihresGartens ein auf Leinwand gemaltes Bild gefunden habe, das sie sogleich-warum wird nicht gesagt. als das Bild Jesu erkennt. Die wunderbarenEigenschaften dieses Bildes treten sogleich damit in Erscheinung, daß dasaus dem Wasser gehobene Bild trocken ist und daß es, in das Gewand derFrau gehüllt, daselbst einen getreuen Abdruck hinterläßt( Motiv der Ver-vielfältigung).
3) Dobschütz, S. 297**.4) Dobschütz, S. 1 ff.5) Dobschütz, S. 40 ff.
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