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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
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I.

Die zweifache Herkunft des Lebensbaummotives in der

europäischen Volkskunst

Jede eingehende Untersuchung der Volkskunst der europäischen Völkerhat damit zu rechnen, daß diese Kunst die Volksgemeinschaft zur Voraus-setzung hat, daß jeder Angehörige derselben selbsttätig Anteil nehmenkann, daß diese Kunst im Wesentlichen Zierkunst, angewandte Kunst ist,zur Ausschmückung der Festgeräte im weitesten Sinne, einschließlich vonTracht und Schmuck, dient und, abgesehen von leichten zeitbedingten Ab-wandlungen, durch ein erstaunliches Beharrungsvermögen ausgezeichnet ist.Diese Kunst steht in unmittelbarem Zusammenhange mit dem Feste, dessenZüge volkseigener Überlieferung angehören, die eine alte Heilsordnung mitSaggut, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum und Zeitordnung zur Grundlage haben.

Diese Verhältnisse zeitigten eine eigenartige Kunst. Die Kunst imNorden ist seit alter Zeit geometrisch, ornamental, zierend, im Süden da-gegen naturgetreu abbildend. Dazwischen schiebt sich die überlieferungs-gebundene Kunst, die, angeregt durch die Mittelmeerkunst, auch bildhaftgestaltet, aber nicht die unmittelbare Umwelt, sondern Dinge und Auftritteder sagtümlichen Überlieferung und diese nicht naturnahe, vielmehr mög-lichst in ornamentaler Anschmiegung.

Das Lebensbaummotiv in der europäischen Volkskunst ist zeitlos, derEigenüberlieferung angepaßt, aber es reicht nicht in ganz alte Schichtenhinab. Über die Herkunft des Lebensbaummotives in der Volkskunst kannnur eine geschichtliche Untersuchung auf Grund der Bildquellen und desBedeutungswandels des Dargestellten Auskunft geben.

1.

Am Ausgange der Antike treten um 500 drei Kunstkreise in Erscheinung,der germanische, der christliche und der sasanidische

Kunstkreis.

Die germanische Kunst ist ausschließlich Zierkunst, bestimmt durch reingeometrisches Flechtwerk und durch Leitgestalten, die ornamental angepaẞtsind. Die vornehmlichsten Leitgestalten der Hallstattzeit, Vogel und Rof,leben wieder auf. Vor allem ist es der Vogel, der das Feld beherrscht, seies in ganzer Gestalt die großen und kleinen Vogelhafte sind Belegedafür-sei es nur mit dem Kopfe oder noch mit einem Teile des Leibesdazu, in staunenswerter Abwandlung mit dem rein geometrischen Schling-werke untrennbar verbunden.

Die christliche Kirche hat nach der Machtübernahme ein Dekorations-programm ausgearbeitet, das am vollendetsten in den Mosaiken der Kuppelnund Wände der Gotteshäuser niedergelegt ist, in dessen Mittelpunkt Chri-stus als Weltenherrscher steht, der nach altorientalischem Glossar ::: zum Glossareintrag  altorientalischem Vorbilde in denvier Weltecken gebietet, an denen nun die Künder der neuen Lehre, dieApostel, schon in früher Zeit unter dem Bilde von Tieren( Lukas der Stier,

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