5. Handel
Als sich manche Menschen auf bestimmte Arbeiten spezialisiert hattenund keinen Ackerbau mehr betrieben, waren sie gezwungen, ihre Erzeug-nisse gegen Nahrungsmittel der Bauern einzutauschen. Daraus ergab sichdie erste Form des Handels. Und wenn kein direkter Austausch möglichwar, weil zwischen Erzeugungsstätte und Verbraucher eine zu große Ent-fernung war, schaltete sich der Händler ein.
Der erste Fernhandel an der March entstand schon zu Beginn der Bron-zezeit, etwa 1900 v. Chr., als der Bernstein von der Nordsee auch durch dasMarchtal nach Italien geführt wurde. Dieses Harz urweltlicher Nadelbäumewar jahrhundertelang ein begehrter Stoff zur Erzeugung von Schmuck-gegenständen und wurde bis in die Völkerwanderungszeit auf der Bern-steinstraße transportiert. Der durch Furten passierbare Fluß bildete auch inder Frühzeit kein Hindernis für den Handelsverkehr. Wir können anneh-men, daß besonders im späteren Mittelalter zwischen dem Weinviertel undden von hier stammenden Kolonisten in der Slowakei rege Handelsbezie-hungen bestanden. Die Überschußprodukte einer Gegend strömten in dieMangelgebiete; so Holz, Fische, Vieh und Heu von der Marchgegend insWeinviertel, Wein von dort in die Slowakei, Wein aber auch von Ungarnins Marchfeld; außerdem wurden später die Güter der vorgeschrittenen Wirt-schaft( gewerbliche und industrielle Erzeugnisse) verhandelt.
Herzog Rudolf bestimmte am 1. November 1350, daß der Wein ausUngarn nach Österreich bloß durch die Stadt Marchegg geführt werden solle,die dafür für den Wagen 12 böhmische Groschen nehmen und zum Bestender Stadt verwenden dürfe. 1388 setzt Herzog Albrecht die Mautgebühr auf10 Groschen herab, aber das Privilegium hatte seinen Wert verloren, da,, den ungrischen Weyn so yder einführet" 131). Am 19. Juli 1432 mußte sogardie Einfuhr und der Ausschank ungarischen Weines in Marchegg verbotenwerden, weil der Absatz des einheimischen Weines gefährdet war 132). Abernoch 1453 bestätigt König Ladislaus den Bewohnern von Theben ihr altesPrivileg, Wein drei Meilen weit nach Österreich einzuführen. Auch überDrösing wurde ungarischer Wein eingeführt, wie aus rechtlichen Bestim-mungen des Mittelalters( Weistum) hervorgeht:„ Auch haben wir die Ge-rechtigkeit wegen des Vngrischen wein, waß die vber die March in Vnsereshern Purckfrid khomben, daß khein Landt graff in unserer Piet( Gebiet)nicht nach dem wein zugreiffen hat." Über die March gingen damals: Vieh,Holz, Hering, Öl, Salz, Weizen, Hafer, Harnisch( multer), Tuch, Eisen, Hir-sche, Rehe, Wildschweine, Hasen, Ochsenhäute, Gänse undwann ainerführth ain Prauth Vber die March, der ist Mauth schuldig Zweenvnd vüerzigPhening."
In den mittelalterlichen Rechtsbestimmungen der Orte an der Marchkehrt immer die Bestimmung wieder, daß die Fleischhacker, Wirte, Bäcker-,Öler und alle Händler, woher sie auch kämen, frei kaufen und verkaufenkönnen.„ Item ist ein frays aygen do, von wan der man chumpt, es seinfleischhaker, leitgeben, pekhen, oler oder was ein man handeln wil mit ver-chauffen oder chauffen, das mag er fraylich tun als ein gesessen man( wieein Angesessener) vnd sol sich vrchunden ein leitgeb mit einer chandel wein,de 4 den. wert ist, ein pekh, ein fleischhaker, ein oler auch mit alsuil als4 den. wert ist 133)." Der Wein war damals sehr teuer; eine Kanne( 0.93 Liter)
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