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Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
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Großdirn beim Bauern verdingten, zugute kam, und waren überdies ihrenEltern, die gewöhnlich viele Kinder hatten, ,, aus der Schüssel".

Von dem großen Dienstbotenwechsel am Stephanitag wurde oben 119)bereits gesprochen. Dabei konnte einem die ungeheure Zahl der slowaki-schen Gesinde diesseits der March bewußt werden. Die slowakischen Dienst-leute hielten zuweilen ihre eigenen Kirtage ab, und auch sonst gab es inden Grenzwirtshäusern öfter Musik und Tanz. Hier holte sich mancheSlowakin ein Kind von einem deutschen Bauernburschen. Ließ sich dieKindsmutter früher durch einige hundert Gulden zufriedenstellen, so be-stand sie seit der Jahrhundertwende etwa darauf, daß der Vater dem Kindauch seinen Namen gab. Solcher Ehen gibt es in jedem Orte mehrere. DieSlowakin kam so, wenn sie klug genug war, leichter zu einem deutschenMann als umgekehrt der Slowake zu einer deutschen Frau. Der holte sichmeist, wenn er sich seẞhaft machen wollte und nicht einheiraten konnte, einMädchen aus der Heimat.

c) Der ,, Wechsel"

Die Notwendigkeit, oder zumindest der Vorteil, im Umgang mit demslowakischen Gesinde ihre Sprache verstehen und sprechen zu können,bewog viele Bauern des Marchfeldes und des Weinviertels, ihre Söhneseltener Töchter in eine slowakische Familie zu schicken oder gegen einenslowakischen Bauernsohn auszutauschen. Dieser Wechsel, wie man den Aus-tausch nannte, erstreckte sich auf einen oder zwei Winter oder ein halbesJahr. Schulrat Bogner erzählt darüber: Meine zwei älteren Brüder inJedenspeigen lernten in Malacka und Groß- Schützen slowakisch und be-suchten dort auch die Schule. Bei uns war derweilen der ,, Suničku"( Söhn-chen) aus der slowakischen Familie. Unser damaliger Oberlehrer war überderartigen Schülerzuwachs nicht erfreut. Wenn es in der Klasse nicht zumbesten ging, und das kam manchmal im Frühling vor, da rief der würdigeSchulmann entsetzt: Ja, seid ihr denn aus der Slowakei?" Wir lernten auchdie slowakischen Auszählreime und benützten sie öfter als die deutschen."Der Bauer Michl Schwarzmann in Dobermannsdorf erzählt: ,, Ich warzweimal im Slowakischen, und zwar in Neudorf in der Nähe von Schoßberg.Andere waren in Egbell im Wechsel. Wir lernten zuerst slowakisch grüßenund das Vaterunser. Einiges konnten wir schon von den Knechten, und sodauerte es nicht lange, unterhielten wir uns mit den Slowaken wie mitunseresgleichen. Zum Schulbesuch wurden wir fleißig angehalten. Mit mirwaren noch drei Dobermannsdorfer dort. Anfangs wußte der Lehrer mituns nichts anzufangen und sagte( deutsch): Rechnet etwas! Ich werde esnach der Stunde anschauen. Wie erstaunt war er aber, als er in unserenHeften Rechnungen übers Quadrieren und Quadratwurzelziehen fand!, Was, das habt ihr in eurer Schule gelernt? Wieviel Klassen hat sie denn?, Eine. Er schüttelte ungläubig den Kopf."

Die Hausbrunner waren auch in Neudorf und Schoßberg auf Wechsel.Als 1866 die Preußen avisiert wurden und es hieß, daß sie die jungenBurschen mitnähmen, flüchteten zwei( Kaider, Fleischhacker) in die Slowa-kei. Aber als sie nach Neudorf kamen, waren die Preußen schon dort undschickten die Burschen wieder nach Hause. Die Waidendorfer gingen nachMalacky, Schandorf, Gairing, Groß- Schützen und Kuchel, die Angerer nachUngeraiden, Jakobsdorf, Laab und Zankendorf.

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