VIII. Gesundheitswesen
Der Grenzlandbewohner, der, wie erwähnt, deutsches und slawischesBlut in sich vereinigt, erfreut sich im allgemeinen einer guten Gesundheit.Es ist ein robuster Schlag, der bei Beachtung primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag primitiver hygienischer_For-derungen durchwegs ein hohes Alter erreicht. So zählte man z. B. inHohenau im Jahre 1951 nicht weniger als 57 Leute über 80 Jahre, darunter5 über 90 Jahre, das ist mit zwei von hundert ein schöner Prozentsatz. DieKindersterblichkeit betrug 1950: 19%( von 31 Sterbefällen 6 Kinder), eingünstiges Ergebnis, wenn man bedenkt, daß früher, z. B. 1695 von 19 Ver-storbenen 9 Kinder waren, d. s. 48%. Die Seuchen( Blattern, Pest) und Ver-luste durch feindliche Überfälle drückten das Durchschnittssterbealter im17. Jahrhundert auf 21 Jahre herab.
Viele Opfer forderten auch die Masern, die Ruhr und der Typhus. Im18. Jahrhundert verzeichnen die Matriken noch folgende Todesursachen:Lungengeschwür,-brand,-entzündung,-dampf, Brustkrebs, Halsweh(!),Keuchhusten, Schleimhusten, Krampfhusten, Wassersucht, Haupt-, Bauch-,Hautwassersucht, Ausschlag, Nervenfieber, Wurm-, Katarrh-, Kopf-, Ge-schwulst-, Faulungs-, Rheumatisches Fieber, Fraisen, Abweichen, Durch-bruch, Geschwulst, Gedärmbrand, Gedärmfraß, Kalter Brand, Schlagfluß,Zähneschmerz(!), Seitenstechen(!). Dabei fällt die große Zahl von töd-lichen Erkrankungen der Atmungsorgane auf. Die verschiedenen Fieberwaren gewiß nur sekundäre Begleiterscheinungen, ebenso Zahnschmerzenund Seitenstechen. Wenige starben an Altersschwäche.
Im 19. Jahrhundert drückte der Typhus( 1855) und die Cholera( 1832,1866) das Sterbealter. Außerdem finden wir als Todesursachen angegeben:Lungenlähmung,-tuberkulose, Keuchhusten, Brustkrebs, Blutleere, Blut-entmischung, häutige Bräune, Fraisen, Scharlach, Brechruhr, Wochenbett-fieber, Durchfall, Gedärmbrand, Gehirnlähmung; also schon ein gewisserFortschritt der Diagnose!
Um 1700 kamen noch auf 1000 Einwohner 78 Sterbefälle, 1790 40, 186038, 1930 12! Es scheint also, als ob der Tod heute nicht mehr so leichteBeute hätte wie früher. Freilich sanken auch die Geburtszahlen von 68( 1700) auf 19( 1930). Es sterben also weniger Menschen, weil sie eine gesundeLebensweise, die Kunst der Medizin und Hygiene länger leben lassen undweil weniger geboren werden.
Der Jahresdurchschnitt der Geburten und Sterbefälle, des Sterbealtersund Geburten und Sterbefälle auf je 1000 Einwohner ergibt folgendeÜbersicht:
Geburten
Sterbefälle Sterbealter
auf 1000 ErwachseneGeburten Sterbefälle
1695-1705
1785-1809
1852-1866
88
1924-1935
882
27
31
21
78
67,5
57
44
40
40
49
88
38
38
38
78
48
42
12
19
91