Kreise, einzuschreiten, was manche Klöster und Kaufleute, die nur davonlebten, schwer traf. Sein Nachfolger nahm wohl viele Neuerungen zurück,doch hatte sich das Bruderschaftswesen bereits überlebt, während dasPilgertum eine neue Blüte erlebte.
Beide Erscheinungen des religiösen Lebens waren für die kulturellenWechselbeziehungen über die March von großer Bedeutung. Wie die eini-gende Kraft der Schicksalsgemeinschaft trug die Gemeinsamkeit der reli-giösen Welt zur engen Verbundenheit der Grenzlandbevölkerung bei.
5. Religiöses Leben der Nichtkatholiken
Von den Protestanten und dem jüdischen Element im Grenzland warbereits mehrfach die Rede. Wenn rechts der March die Gegenreformationvollständig durchgeführt wurde, so war dies in der Slowakei nicht der Fall.Daher kamen immer wieder protestantische Zuwanderer über die March,die an ihrem Glauben zum Unterschied von hieher versetzten Beamten fest-hielten. So besteht heute noch in Hohenau eine kleine evangelische Ge-meinde, die freilich durch die Absperrung der Grenze auf keinen Nachschubmehr rechnen kann und auf ihre eigene Lebenskraft angewiesen ist.
Wo die Protestanten einzeln auftraten meist als Finanzbeamte, An-gestellte der Zuckerindustrie oder Handwerker, gaben sie vielfach ihrenGlauben auf und traten zum Katholizismus über. Oft war dies das Werkeines ehrgeizigen Pfarrers:„ Der 5. July 1845 macht eine Epoche in derreligiösen Geschichte der hiesigen Pfarre( Rabensburg), denn an diesemTage wurde von mir, A. H. Sichrowsky, Pfarrer, unser hl. Glaubensbekennt-nis dem Friedrich Wilhelm Dehrmann, lutherischer Glaubens Confession,alt 41 J., Schuhmachergeselle, wohnhaft hier Hnr. 112, gebürtig zu Berkaan der Werra im Großherzogthum Sachsen Weimar Eisenach, feyerlich ab-genommen 99)."
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Juden gab es rechts der March schon seit dem Mittelalter, in den slowa-kischen Landgemeinden ließen sie sich nach ihrer Ausweisung aus Preẞburgnach 1528 nieder, von wo sie später immer wieder über die March kamen 100).Mittelalterliche Judengemeinden bestanden in Feldsberg, Zistersdorf undMarchegg 101). In Zistersdorf ist 1319 Marchart der Jud, Swertzleins Sohn,erwähnt; 1409 Joseph der Jud von Zystelsdorf und Slomel d. J. sein prueder;1509 Hirschl, 1544 der„ ,, Schutzjude" Mandl, 1564 Marcus, Rabbi. In Loimers-dorf ist der Jude Goldmann 1420 beurkundet, in Marchegg 1342 102). 1421werden die Juden aus Marchegg vertrieben, 1496 wieder zurückgerufen, underhalten nach der Vertreibung der Juden aus Niederösterreich 1518 hierallein die Erlaubnis zu bleiben. Für die Bedeutung Marcheggs in dieserHinsicht spricht auch der Bestand eines Judenspitals, 1498 erwähnt, einerSynagoge( das heutige ,, Servushaus") und eines Judenfriedhofes, wofür derFlurname Judenfriedhof" vor dem Ungertor spricht. Vor 1938 fuhren dieJuden von Marchegg nach Stampfen( Slowakei) in den jüdischen Tempel.
Im 17. Jahrhundert gab es Judensiedlungen in Hohenau mit 6 Familien,Jedenspeigen 2, Absdorf 10 mit Synagoge und Friedhof, Matzen 7, Groß-schweinbarth 9, Bockfließ 21 mit Friedhof und Synagoge aus dem 16. Jahr-hundert, die die Leute in der„ Judenstadt" heute als Backofen benützen,Marchegg 17 mit Synagoge und Friedhof, Hauskirchen und Feldsberg 9.
1920 war Hohenau mit Tempel( 1939 abgetragen) und Friedhof Sitz vonKultusgemeinden. Vor der Errichtung des Friedhofs wurden die verstor-
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