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Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
Entstehung
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Ein uralter Wallfahrtsort, der von der gesamten Grenzbevölkerungbesucht wurde, ist Maria Moos in Zistersdorf, dessen Kapelle schon vonAlbero von Kuenring errichtet und 1190 von Bischof Konrad von Passaugeweiht wurde. Die sieben Schwerter, die das Gnadenbild( der Schmerz-haften Muttergottes) umgeben, werden verglichen mit den sieben Plagenund Heimsuchungen der Gegend: 1402 Dürrteufel, 1431 Hussiten, 1614 Ver-bot des katholischen Glaubens, 1631 Bethlen Gabor, 1645 Schweden, 1683Türken, 1706 Kuruzzen. Eine Zeitlang wurde auch zur Rochuskapelle beiStillfried, von General Frh. v. Teuffenbach 1638 als Pestzeichen erbaut, ge-wallfahrtet, doch als sich einmal dort ein Überfall ereignete, wurde dasWallfahren verboten.

3. Religiöses Leben im Hause

Zur Zeit der Gegenreformation bürgerte sich als Ausdruck der gestei-gerten Marienverehrung die Sitte ein, in der Außenmauer der Gassenseiteeine Nische zur Aufstellung einer Marienstatue auszusparen. Später wurdeauch hie und da der Gekreuzigte hineingestellt, manchmal ganze Gruppenvon Heiligen. Die Statuen wurden in allen Größen( 20-120 cm) wahr-scheinlich von heimischen Künstlern aus Pappel- und Lindenholz geschnitztund bunt bemalt. Man fand sie noch im vorigen Jahrhundert fast an allenBauernhäusern an der Grenze. Heute sieht man diese Nischen nur mehrselten, in Hohenau z. B. nur mehr am Hause Nr. 30( Hofmeister) eine Kreu-zigungsgruppe, Nr. 100( Beutler, derzeit Simon) eine Christusfigur, Nr. 197( Bsteh) eine untergeteilte Nische, unten hinter Gitter Marienstatue, obenfrei eine Jesusgestalt, beide aus neuerer Zeit, Nr. 43( Fritsch) ein Marien-bild, Nr. 130( Kobsik) eine Statue des hl. Florian. Im Haus Nr. 67( Petrasch)steht eine barocke Madonna aus der aufgelassenen Mauernische jetzt imZimmer. Statuen aus Stein stehen in Nischen des Glockenturms, und zwardie Heiligen Florian, Martin, Sebastian und Veit, die zur Zeit ihrer Auf-stellung besonders verehrt wurden.

Die Sitte von Hausaltären drang aus den städtischen Bürgerhäusernauch in die Bauernstuben. In Pernek, am Fuße der Kleinen Karpaten, salıich 1923 einen einfachen Hausaltar. Auf meine Frage, erklärte mir derSlowake, daß er den Altar einem bei seinem Bauern im Marchfeld gesehe-nen nachgemacht habe. Vor dem Hausaltar wurden Abendandachten ab-gehalten.

Außer den genannten Heiligen wurde besonders die hl. Barbara ver-ehrt. Ihr Bild fand sich in vielen Häusern. Ein Hinterglasbild der Heiligenbefindet sich im Hohenauer Heimatmuseum.

Im vorigen Jahrhundert noch standen auf den Schubladkasten vielerBauern Marienstatuen aus Wachs, bekleidet mit Stoff oder Papier untereinem Glassturz. Es fanden sich auch Kruxifixe und Darstellungen der hl.Dreifaltigkeit. Gewöhnlich gab man in den Glassturz auch Wallfahrtsanden-ken, Firmungs-, Hochzeits-, Rekrutensträufeln u. a.- Das Kreuz fehlt auchheute nur in wenigen Häusern. Alte Stücke sind leider oft von Händlernaufgekauft worden. Unterm Kreuz, Marienbild oder Haussegen 97) branntean Todestagen ein Öllämpchen. Am Weihbrunn hing der Rosenkranz, da-hinter steckte ein geweihter Palmzweig und auf dem Tragbalken der Holz-decke lag das Gebetbuch. Umgeben von geweihten Dingen fühlten sichDeutsche wir Slowaken gegen alles Böse gefeit.

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