fabrik, ziemlich stark erhalten. Bis zum Ende des ersten Weltkriegesgewann dieses Element durch Land- und Saisonarbeiter stets neue Impulse.1910 wurden im Gerichtsbezirk Marchegg 12.2%, Gänserndorf 8.1%, Groß-Enzersdorf 8.6%, Zistersdorf 6% Slawen gezählt 15). Die bis in das Gebiet vonWien reichende slowakische Unterwanderung des Weinviertels und desMarchfeldes bewirkte ja auch eine Belebung der tschechischen Ausdehnungs-politik, die sogar auf die Schaffung eines Korridors zwischen Nord- undSüdslawen gerichtet war, und die Tschechisierung Wiens, die Ansiedlungtschechischer Bauern im Weinviertel, tschechischer Arbeiter im Industrie-gebiet, die Errichtung von Minderheitsschulen u. a. erstrebte 16).
Ein Stillstand dieser Bestrebungen trat 1918 mit der Entstehung derTschechoslowakei ein, die die nationalen Kräfte für andere Aufgaben be-anspruchte. Das Jahr 1945 bedeutet auch durch die hermetische Abschließungder Grenze und besonders durch die Sperre jeglichen Verkehrs 1948 eineUnterbindung der Wechselbeziehungen über die March; es ist daher derZeitpunkt gegeben, diese bisher wirksam gewesenen Kräfte und ihre Er-scheinungsformen zu erforschen und als eine historische Gegebenheit fest-zuhalten.
2. Besitzverhältnisse an der Grenze
Nach dem zweiten Ungarnfeldzug 1043 wurde die March als endgültigeGrenze festgelegt. Infolge des geringen Gefälles und der Rückstauungswässerder Donau war der Lauf des Flusses überaus windungsreich und verändertenach Hochwassern oft seinen Kurs, indem er, nach Westen drängend, dieschmalen Stellen der Flußschlingen durchbrach und diese als Altwässerzurückließ. Es war deshalb notwendig, von Zeit zu Zeit infolge auftretenderBesitzstreitigkeiten Grenzregulierungen vorzunehmen.
Solche strittige Gebiete waren z. B. die zu Schoßberg gehörige„ GroßeAu oder Partz" in der Mitte zwischen Rohrwiese und Miavamündung. DenDurchriẞ verlangte 1755 die ungarische Herrschaft ganz ,, dieweilen beider-seitige Ufer auf ihrem Territorio wären". ,, So muß es bey den öster-reichischen Auen auch gültig seyn", stellt der Grenzaufnehmer fest. Ein wei-teres Streitobjekt war das„, St. Johanner Parzt", bei der Thayamündung, im,, Schanzl" genannt, ferner das Parzt bei der Hohenauer Überfuhr, von einemausnahmsweise nach Westen ausbiegenden Altwasser, der„ Morawka" ge-bildet, in dem bis 1918 die Grenze verlief. Heute gehört das Gebiet zuHohenau. Weiter die„ Ringelsdorfer Au oder der Zagl", der„ Uhsi oderMaiẞ See"( uši), bei dem nach Aussage der Drösinger( 1755) die Marchursprünglich östlich davon geflossen sei, dann westlich und später wiederöstlich. Heute fließt der Fluß wieder westlich der Au und sie gehört end-gültig(?) hinüber. Weiter die„ ,, Große Au oder Letten" bei der DrösingerÜberfuhr, der„, Angerporz“ bei Mannersdorf u. a. m. Der Damm der Nord-bahn schnitt zwischen Dürnkrut und Angern zwei Marchschlingen durch,weshalb weiter östlich Durchstiche notwendig wurden, die heute auch grenz-führend sind. Die Wiesen in den abgetrennten Flußschlingen wurden nachund nach von den Slowaken an Waidendorfer Bauern verkauft.
Strittig war immer die Nordostgrenze zwischen Niederösterreich undMähren. Die Mährer sahen diese Grenze im 18. Jahrhundert an der Thayaund nahmen im September 1754 längs dieses Flusses eine„ Hotterung"( Erd-
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