Druckschrift 
Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

II. Geschichte und Bevölkerung

1. Geschichtliches

Die erste Begegnung zwischen Slawen und Deutschen im Marchgebiet er-folgte im 7. Jahrhundert, als westslawische Stämme, die Vorfahren der heuti-gen Slowaken und Mährer, bis an die Donau und March vordrangen. Überdiese Zeit sind wir durch eine einzige Urkunde, die Chronik Fredegars,unterrichtet, der über die Jahre 623 bis 624 folgendes berichtet: Damalsverband sich ein gewisser Samo, ein geborener Franke( Samo ist die slawi-sche Herrscherbezeichnung, sein deutscher Name ist nicht überliefert), mitmehreren Kaufleuten und zog in Handelsgeschäften zu den Slawen, die manWineder nennt. Die Slawen hatten damals schon angefangen, sich gegen dieAwaren, die den Beinamen Chunen führten, und deren König Gagan aufzu-lehnen. Von altersher wurden die Wenden von den Chunen als sogenannteBefulci gebraucht, so daß, wenn die Chunen gegen irgend ein Volk ins Feldzogen, sie sich selbst vor dem Lager aufstellten, die Wenden aber kämpfenmußten. Siegten diese, so rückten die Chunen vor, um Beute zu machen;unterlagen jedoch die Wenden, so sammelten sie, auf der Chunen Hilfegestützt, neue Kräfte. Jedes Jahr kamen die Chunen zu den Slawen, umbei ihnen zu überwintern; sie nahmen Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber und Töchter der Slawen undschliefen bei ihnen, und zu den übrigen Miẞhandlungen mußten die Slawenden Chunen noch Abgaben zahlen. Die Söhne der Chunen aber, die diesemit den Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern und Töchtern der Wenden gezeugt hatten, ertrugen endlichdiesen Druck nicht mehr, verweigerten den Chunen den Gehorsam undempörten sich, wie schon erwähnt, gegen sie. Als nun das wendische Heergegen die Chunen auszog, begleitete es jener Handelsmann Samo, der seineTapferkeit gegen die Chunen auf wunderbare Weise bewies; eine unge-heuere Zahl an Chunen fiel durch das Schwert der Wenden. Als diese dieFähigkeiten Samos erkannt hatten, wählten sie ihn zu ihrem König, und erherrschte fünfunddreißig Jahre lang glücklich. Mehrere Schlachten liefertendie Wenden unter seiner Regierung gegen die Chunen, und jedesmal bliebensie durch sein Verdienst siegreich. Samo hatte zwölf wendische Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber, mitdenen er zweiundzwanzig Söhne und fünfundzwanzig Töchter erzeugte.".Soweit Fredegars Bericht.

Karl Ottinger 2) hat, gestützt auf die Stelle aus Enenkels Chronikaus dem 13. Jahrhundert:, Wien was e ein heidenschaft und het an liutenniht die Kraft Wan da niht wan ein hof lac-er was ein heiden Glossar ::: zum Glossareintrag  heiden der sinpflac. Der hof wart der Perchhof genant..." und ein schon 1825 bei St. Rup-recht( Wien) ausgegrabenes Kapitel, die historische Erkenntnis basiert, daß?der Berghof der Sitz Samos und Wien seine und des slawischen ReichesHauptstadt gewesen sei, während tschechische Forscher den Mittelpunkt desSlawenreiches in Theben gesucht haben 3). Sei dem wie immer faszinie-rend ist die Erscheinung des deutschen Abenteurers Samo, der sich aufGrund hervorragender Eigenschaften des Geistes und Körpers zum Königdes slawischen Volkes machte, somit die erste weithin sichtbare Beziehung

5