Druckschrift 
Riß und Arl im Kärntner Nockgebiet : ein Beitrag zur Topographie der altständigen Pfluggeräte in den südlichen Ostalpen
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

E) Zusammenfassung und Ergebnisse

Fassen wir das Vorstehende nun zusammen und fragen wir also nach dem Ertragdes Eingebrachten, so sei zunächst noch einmal an die in unserer Einleitung vorweg-gestellte Beschränkung unserer Darstellung auf ein verhältnismäßig begrenztes geo-graphisches Gebiet, nämlich auf die Landschaft des sogenannten Nockgebietes zwischenOber- und Unterkärnten, hingewiesen; ebenso sei aber auch an die Einschränkung aufdas lediglich empirisch erfaßbare Sachmaterial greifbarer Pfluggeräte erinnert. Dabeikonnten insgesamt 74 Einzelgeräte bzw. Geräteteile festgestellt und in die Einzeldoku-mentation aufgenommen werden, dies freilich nur dank einer seit Jahrzehnten miteiniger Umsicht und Achtsamkeit betriebenen Erkundungs- und Aufnahmetätigkeit.Ein weiteres Dutzend an Pfluggeräten oder Überresten von solchen erbrachten die Kund-fahrten und Erhebungen im Nockgebiet, die im Zuge dieser Arbeit und bis zum Ab-schluß derselben fallweise unternommen wurden. Diese Sachzeugnisse konnten jedochaus technischen Gründen in unsere Darstellung selbst nicht mehr aufgenommen werden,auch nicht in das Gesamtverzeichnis der erfaßten Geräte bzw. in unsere Übersichtskarte( Abb. 32). Da es sich dabei jedoch durchwegs um Sachzeugnisse handelte, die die bis-lang ermittelten Tatbestände und Verbeitungshinweise nur bekräftigen und in einigemverdichten konnten, erschien uns auch die verbleibende Einschränkung auf das hierdargebotene und dokumentierte Grundmaterial vertretbar 173.

Aus alldem ergibt sich nunmehr mit aller gebotenen Deutlichkeit, daß dieses Kärnt-ner Nockgebiet nicht nur in den Bereichen seiner Volkskultur, wie sie Oswin Moroschon vor längerer Zeit namentlich für das bergbäuerliche Höfe- und Hauswesen dersogenannten Ringhöfe herausgearbeitet und zunächst besonders für St. Oswaldund Kleinkirchheim dargestellt hat, ein unverkennbares Eigengepräge aufweist, son-dern daß dies in demselben Maße auch für die hier seit alters und bis herauf in dieWende zum 20. Jahrhundert gebräuchliche Anbaumethode und für deren Pfluggerätegilt. Diese erweisen sich mithin gleichfalls als spezifische Elemente dieser Kulturland-schaft Innerkärntens.

Deren Erfassung und Untersuchung in ausreichender Zahl und in größerer räum-licher Breite bestätigen zunächst, was bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts derbedeutende Agronom Johann Burger d. A. ausdrücklich schon als Besonderheit imAnbausystem dieser Landschaft notiert hat. Wir vermochten diese zweigliedrige Pflug-technik mit Riẞ und Arl nunmehr für das gesamte einstige Verbreitungsgebiet der Ring-höfe eindeutig und ausnahmslos nachzuweisen. Die Verwendung eines besonderen Pflug-gespannes mit einem Furchenvorschneider, dem sogenannten Reißmesser" oder Reiß-eisen", konnten wir in diesem Gebiet vor allem mit dem Stangenriß auch geräte-typologisch genauer festlegen und diesen zugleich von anderen Typen dieses Gerätesin der Nachbarschaft abgrenzen. Hinter ihm folgte als Hauptanbaugerät erst ein spe-zifisch zugerichteter Rührpflug, den wir gleichfalls gerätetypologisch als einfacheFederar umschreiben und mit einer Reihe von bestimmten formal- konstruktivenbzw. funktionellen Sondermerkmalen näher festlegen konnten. Er läßt sich vielleichtals flachgängiger Schälpflug oder als Schüttpflug allgemeiner charakterisieren. Alles

173 Weitere Funde von Stangenrissen waren u. a. in St. Lorenzen ob Reichenau, solchevon einfachen Federarln in St. Anna ob St. Lorenzen, in Lorenzenberg, Vorderkoflach, Rotten-stein bei Kleinkirchheim sowie in Unter- Wöllan, Gemeinde Arriach, zu verzeichnen. Zu demletztgenannten Fundort vergleiche die inzwischen bereits erschienene Beschreibung als Ergänzungzu dem Vorliegenden bei Oskar Moser, Eine Arl samt dem, Reißeisn aus Unter- Wöllan.( DieKärntner Landsmannschaft, Jgg. 1981, Heft 2, S. 2-7 mit 6 Abbildungen.)

78